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#ferien#mutmacher#riechen

Same procedure as …

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Same procedure as … | story.one

„Das Brot ist noch nicht fertig. Ich hab uns schnell was Süßes gekocht.“ Meine Freundin strahlt mich glücklich an und stellt die dampfenden Teller ab.

Ich rieche. Mein Magen hebt sich sanft.

Puddingsuppe.

„Ich hab gar keinen Hunger!“

35 Jahre alte Erinnerungen kommen mit nach oben.

Es sind Ferien. Ein milder Sommer verwöhnt uns Berliner Ferienlagerkinder. Ein ehemaliges Schloss im Berliner Umland, das den Krieg nicht überlebte, hat Raum gegeben für Bungalows und Baracken. Sie sind für zwei Wochen unser Zuhause. Das Gutshaus ist geblieben. Die Küche und einige Wohnräume sind dort untergebracht. Wir werden liebevoll bekocht von Menschen aus dem nahegelegenen Ort. Der langgestreckte Speisesaal ist an das Gutshaus angebaut.

Nach dem morgendlichen Waschen an langen Steintrögen und dem Bettenmachen rennen beim Glockenschlag 40 Kinder gleichzeitig in Richtung Speisesaal. An der Durchreiche erhält jedes Kind einen tiefen Teller und einen Schlag Suppe. Die Köchin lächelt mich fröhlich an: „Das Brot ist noch nicht da.“

Ich rieche. Mein Magen hebt sich sanft.

Puddingsuppe.

„Ich hab gar keinen Hunger!“

Szenenwechsel

Ich bin inzwischen 14 Jahre alt und habe einen der begehrten Arbeitsplätze im Ferienlager ergattert, gut bezahlt mit toller Unterkunft im Gutshaus und ausreichend Zeit zum Baden und um Fahrrad zu fahren.

Die erste Woche ist mit Kartoffeln schälen, Gemüse putzen und Abwaschen vergangen. Wir zwei Mädels haben Frühschicht. Die beiden Jungs müssen nachmittags ran.

Noch etwas schlaftrunken komme ich in die Küche. Ein freundliches Lächeln der Köchin, ein Deckel wird angehoben.

Ich rieche. Mein Magen hebt sich sanft.

P …

© Kathrin Schink 2020-03-29

mutmachereigenartigKindheitserinnerung

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