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Unter dem Radar

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Unter dem Radar | story.one

Er schreibt. Seine BĂŒcher schreibt er unter einem Pseudonym. Niemand aus seinem beruflichen und privaten Umfeld soll ihn mit den zwei chaotischen Helden seiner Werke in Verbindung bringen. NatĂŒrlich haben sie einen gewissen autobiografischen Bezug und tagesaktuell sind sie in der Regel auch. Zusammengefasst ergeben sie stets ein Buch, das auch ein Zeugnis der betreffenden Zeitspanne ist.

Seine Protagonisten sind skurril und nervenaufreibend, der eine mehr, der andere weniger. Feste Freunde sind sie, wie er selbst wohl nie welche hatte. Sie halten zusammen und ĂŒberraschen einander doch immer wieder. Genial, wie der Autor selbst stellenweise und phasenweise ist, begleitet der eine Protagonist den anderen höchst Chaotischen, gemĂ€ĂŸ der Schattenseite des Autors, durch die Höhen und Tiefen der derzeitigen Wirtschaftsordnung. Frauen sind in diesen BĂŒchern bestenfalls Randerscheinungen. Hier geht es um echte MĂ€nner.

Seit lĂ€ngerem trĂ€gt er sich mit dem Gedanken, selbst Seminare zu geben. Die gegenseitige Erquickung in der Paarbeziehung soll vorzugsweise der Inhalt sein. NatĂŒrlich gehört eine Frau ins Team, um das Seminar mit ihm gemeinsam zu leiten. Verschiedene QualitĂ€ten soll sie haben. Dekoratives Aussehen, Praxiserfahrung und Organisationstalent sind gefragt. FĂŒhrungsqualitĂ€ten hat er selbst genug.

Er lernt sie im Club kennen und ist fasziniert von ihr. Er, der stets Unscheinbare, blickt auf sie. Ihr Kleid lĂ€sst frei und bedeckt. Es regt das Kopfkino an. Die Blume im Haar steht ihr ausgezeichnet. SpĂ€ter erkennt er, dass diese Blume ihr Markenzeichen ist. Ihr Intellekt begeistert ihn. GesprĂ€che, auch ĂŒber seinen normalen Themenhorizont hinaus, werden unvermeidbar und intensiv gefĂŒhrt. Gern will er das Seine tun, um ihr auf ihrem Weg voran zu helfen. Dies geschieht im Rahmen seiner Möglichkeiten. Über die Jahre ergibt sich daraus mehr. FĂŒr seine Seminare ist sie letztlich als Co-Leiterin ungeeignet.

Wie jederzeit als Autor fliegt er in dieser Beziehung unter dem Radar. Sichtbarkeit ist seine Sache nicht. Heiter, kindlich, naiv, verspielt wirkt er auf die, die ihn privat kennen. Farbe bekannt hat er ausschließlich im beruflichen Bereich. Dort hat er mit Kraft und Macht gewirkt. Dieser Lebensabschnitt ist nun vorbei. Der Ruhestand hat ihn aus der Ruhe gebracht. Ob er nun Farbe bekennt, bleibt fraglich. Vielleicht ist es nun ihrerseits nicht mehr erwĂŒnscht.

© Kathrin Schink 2021-06-27

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