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#ehrenamt#planung#zusammenleben

Wat krichtse un wat kostse

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Wat krichtse un wat kostse | story.one

Das Büro hat eine zentrale Position im Haus am Kirchenplatz: Vom Fenster ist der Platz vor der Südseite der Kirche einsehbar und zwei der drei Straßen, die am Haus vorbeiführen. Dank kräftiger Stimmausstattung einiger Mitmenschen ist dies eine informationsträchtige Position. Im Haus liegt das Büro ebenfalls zentral: Jeder, der die Treppe hinauf oder hinunter steigt, kommt dort vorbei und tritt gern auch ein.

Die Tage sind kurz, die Abende dunkel und lang in diesem November 2021. Der Olsche steckt den Kopf zur Tür herein: „Machst du noch lang? Was machst du da?“, fragt er die immer gleichen zwei Fragen.

„Wir brauchen eine Aufstellung voraussichtlicher Erträge, der Aufwendungen, also der Verwaltungskosten, Zahlungen für Organmitglieder, Kosten wirtschaftlicher Prüfung für die Stiftung.“, sie sieht nur kurz vom Bildschirm zu ihm hinüber.

„Wieso dat? Wat krichtse un wat kostse sacht dok dat Steuerbüro!“ Der Olsche guckt ratlos: „Und wieso Zahlungen für Organmitglieder? Du kriegst nichts und ich bekomme nichts für die Vorstandsarbeit, die anderen Ehrenamtlichen doch auch nicht. Selbst wenn die Möglichkeit in der Satzung vorgesehen ist, gibt es nur etwas, wenn entsprechende Mittel vorhanden sind und frühestens ab 2027. Schick doch den Beschluss mit.“

„Stimmt, der Beschluss! Gute Idee.“ Sie fängt an in einem der Ordner zu blättern. Dann hat sie ihn gefunden. „Für die anderen Kosten müssen aber Planzahlen her. Die letzten 3 Jahresabschlüsse kommen im Februar 2022 als Rückblick. Aber die Planzahlen fehlen noch. Ich glaube, es kann sich kaum jemand vorstellen, dass die Stiftung nur 3 Posten in den Verwaltungskosten hat: Büro- , Fahrzeugkosten und das Steuerbüro. Die sind zusammen monatlich nur dreistellig. In der Immobilie entsteht genau dafür ein Deckungsbeitrag.“ Sprechdenken war für sie immer ein effektiver Weg, um voran zu kommen. Der Olsche tritt, erfreut über offensichtliche Fortschritte und müde vom Tag, den Rückzug an.

„Ich geh mal. Mach nicht mehr so lange.“ Mit diesen rituellen Sätzen schließt er die Tür und sie schließt alle Anwendungen. Schluss für heute. Ein Blick aus dem Fenster verrät, dass der Ort schon schläft.

Gerade will sie den Computer herunterfahren, da stößt ihr eine Zeichenkette auf: „Kosten wirtschaftliche Prüfung für die Stiftung“. Bisher hatte sie das beim Steuerbüro mit verortet. Sie fragt die Suchmaschine. Unabhängig von der Erstellung des Jahresabschlusses kann das Stiftungsamt eine Prüfung ebendieses anordnen. Die Kosten hierfür trägt die Stiftung. Die Höhe dieser Kosten bzw. der Kostensatz wird leider nirgends verraten.

Es klopft. „Ja!“ Die Tür öffnet sich. Ein später Besucher hält eine dampfende Tasse in der Hand: „Willst du noch einen Tee?“ Er klappt das Besucherstühlchen herunter und setzt sich kurz. Nun ist endgültig Zeit für Feierabend. Der Computer stellt alle Geräusche und Lichtsignale ein. Das Licht verlischt. Die Tür wird von außen geschlossen.

© Kathrin Schink 2022-02-16

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