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#hilfsbereitschaft#amerika#lebenswege

Links oder rechts?

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Links oder rechts? | story.one

Nicht nur die Schönheit und Weite der USA faszinieren mich, sondern auch die Menschen. Sie gehen anders miteinander um als in Deutschland. Wildfremde Menschen lĂ€cheln oder sprechen dich an. Man kommt sehr einfach und schnell ins GesprĂ€ch. Es kann dir passieren, dass jemand ganz offen ganz persönliche Erfahrungen mit dir teilt. Nach diesen ĂŒberraschenden und kurzen Begegnungen sieht man sich vermutlich nie wieder, aber etwas bleibt dir. Eine neue Idee, eine neue Sichtweise und manchmal sogar eine neue Freundschaft. Irgendwie kennt hier auch jeder jemanden in Deutschland, hat einen deutschen Verwandten oder hat schon selbst einmal in Deutschland gelebt. Deutsche sind in den USA (ĂŒberraschenderweise?) sehr beliebt.

Als ich mit meiner Freundin 1996 im Hard Rock CafĂ© San Francisco an der Bar saß (Ich weiß, SO ein Klischee!), kamen wir mit zwei amerikanischen PĂ€rchen ins GesprĂ€ch. Sie waren vermutlich so alt wie ich jetzt (also steinalt), gut gekleidet und zu Besuch aus Newport Beach, Orange County. Wir zwei, eher hobo-mĂ€ĂŸig gekleidete Mittzwanziger hatten gerade unseren den ersten Wodka Martini unseres Lebens bestellt, als wir von ihnen angesprochen wurden. Schon nach wenigen Minuten waren wir mittendrin in einem regen Austausch von Geschichten „Where are you from?”, „What are you doing?” und “Where are you going next?" Darauf folgten zahlreiche Reisetipps. Sie mahnten uns in LA vorsichtig zu sein und immer das Auto auf „locked” zu haben, nannten uns die besten StrĂ€nde auf dem Weg nach San Diego und gaben uns schlussendlich ihre Telefonnummer, falls wir mal Hilfe brauchen sollten. Es war eine tolle Erfahrung und gab uns ein neues und gutes GefĂŒhl fĂŒr unsere Weiterreise. Wir haben aber in LA trotzdem aus Versehen die falsche Ausfahrt genommen und sind an zahlreichen, brennenden MĂŒlltonnen vorbeigefahren, ohne das Auto von innen verschlossen zu haben. Aber wir haben es ĂŒberlebt.

ZurĂŒck auf den Weg zu meinem Jetzt. Nach diesen Reisen und dem Abschluss meines Referendariats bewarb ich mich an drei deutschen Schulen in den USA: New York, Washington und Portland. Portland und New York boten mir Stellen an, die ich dann aber nach vielen Überlegungen und Telefonaten mit Schulleitern ablehnte und mich fĂŒr die sichere Variante „Verbeamtung” bei der Bezirksregierung Köln entschied.

Ich finde es so spannend wie die Entscheidungen, die du in deinem Leben triffst, den gesamten weiteren Verlauf bestimmen können. Kannst du dich an Entscheidungen erinnern, bei denen du heute denkst: Oh Mann, wĂ€re ich dort links statt rechts abgebogen, wĂ€re ich heute ganz woanders? Ich kann mich an einige solcher Situationen erinnern und sinniere manchmal gerne darĂŒber, wie mein Leben wohl heute aussehen wĂŒrden, wenn ich in dem ein oder anderen Moment mehr meinem Herzen oder beim nĂ€chsten Mal mehr meinem Kopf gefolgt wĂ€re?

© Kathrin Schönberg 2021-03-30

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