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#flucht

Eine Reise nach Italien

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Eine Reise nach Italien | story.one

Als ich die Wellen am Deck platschen hörte, hat es mich mit einem Ruck geweckt. Ich sah die dunkelblauen Wellen mit dem Meer spielen. Ich schaute um mich und erst dann erinnerte ich mich. Ich schloss meine Augen, um meine Erinnerung zu erfrischen. Als meine zart weichen Wimpern aufeinander schlugen, konnte ich es wieder sehen. Vor genau zwei Tagen, als wir im RĂŒcken des LKWs saßen, haben wir sie gehört. Die Polizeisirenen wurden immer lauter. Wir waren 30 Personen. Als ich meinen verkrusteten Mund schloss, schwitzte ich doppelt so viel. Ich merkte, dass eine richtig starke Spannung entstand. Der Wagen wurde mit einer starken Gestank-Welle ĂŒberflutet, als wir das Klopfen hörten. Das Klopfen hatte in diesem Moment ein unendlich langes Echo. Als mir ein riesiger Schweißtropfen den Kopf runterfloss, hatte sich ein FlĂŒchtling vom Boden gerissen. Ein weiterer FlĂŒchtling riss gleichzeitig die TĂŒr auf und rannte ohne zu stoppen weg. Und dann, BOOM. Die Leiche fiel auf den Boden und rollte wie ein ausgeschlagener Sandsack die Straße runter. Als die Spannung den Höhepunkt erreichte, brach das Chaos aus.

Einer nach dem anderen sprang raus, als ob es die Olympiade fĂŒr Staffel-Laufen wĂ€re. Als fast alle aus dem LKW geflohen sind, sahen wir die Polizei den anderen FlĂŒchtlingen nachlaufen. Als noch um die 7 FlĂŒchtlinge da waren, ist der Beifahrer nach hinten gesprungen und hat die LKW-TĂŒr zugeschlagen. In genau der gleichen Sekunde fuhren wir weiter. BOOM, mein ganzer Körper zuckte zusammen. Und dann folgten weitere, ich glaube, es waren sieben, sieben SchĂŒsse. Sie waren laut, aber jeder Schuss war distanziert als der andere. Aber trotzdem, jeder Schuss hat mich weiter in eine Kugel formen lassen. Als die Sirenen leiser wurden, habe ich mich langsam zurĂŒckgeformt.

Als mich eine Welle in die RealitĂ€t zurĂŒck rĂŒttelte, habe ich mich an meine Arbeit erinnert. Die sanfte Stimme meiner besten Freundin hat mich noch weiter zurĂŒck gerissen: „Eines Tages werden wir von hier fliehen”, diese Erinnerung brachte mir eine TrĂ€ne ins Gesicht. Zwei Tage spĂ€ter wurde sie von einem Taliban geschlagen und erschossen, weil sie ihm nicht ihr Geld geben wollte, weil sie es zum FlĂŒchten brauchte.

Ab dem Tag habe ich es mir zur Mission gemacht, dass ich es nach Italien schaffe und meinen Teil des Versprechens halte. Mir ist es egal, wie groß die Herausforderungen sein werden, ich werde es nach Italien schaffen.

© Kian 2022-06-09

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