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London, zum Ersten

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London, zum Ersten | story.one

Da standen wir nun. Am Princess Square im Stadtteil Bayswater in London. In diesem reinweißen, stattlichen, viktorianischen Hotel sollten wir für die nächsten vier Tage eine Herberge finden. Wir hatten unser Zimmer im obersten Stockwerk. Es bestand quasi nur aus einem Doppelbett und einem Minibad mit Klo und Dusche, wobei man sagen kann, dass man während des Duschens beinahe gleichzeitig seine Notdurft verrichten konnte. Das Bett stand direkt beim Fenster, unter dem der Heizkörper angebracht war, sodass wir gleichzeitig von Kälte und Wärme umgeben waren. Nicht so unpraktisch, wenn man bedenkt, dass es nicht ganz frühlingshafte Außentemperaturen hatte und das Zimmer überhitzt war, da die Temperaturregelung der Heizung nicht funktionierte. Dorthin führte eine steile, gewundene Treppe. Um Knochenbrüche - oder Schlimmeres - zu verhindern, machte jeden Morgen einer von uns den anderen auf den geschoppten Teppichboden auf der Treppe aufmerksam. Im Keller nahmen wir tagtäglich unser Frühstück ein. Es gab trockenen Toast mit Tee für mich und Toast mit Butter und Tee für meinen absoluten Lieblingsmenschen. Die Auswahl war zwar weder nahrhaft noch vielfältig aber immerhin kurzfristig Magen füllend. Doch ehrlich? Wir liebten es. Jeden Abend lagen wir glücklich und erschöpft vom Tag in unserem Bett. Wir blickten aus dem Fenster in den dunklen Nachthimmel und hörten den Sirenen der Einsatzkräfte zu, die pausenlos im Einsatz waren und uns schlussendlich in den Schlaf lullten.

Tagelang erkundeten wir die Stadt und was sie zu bieten hatte. Wir spazierten durch den Hyde Park, in dem bereits Krokusse blühten, während bei uns zu Hause Schnee lag. Natürlich standen wir am Vormittag vor dem Buckingham Palace und filmten die Wachablöse mit. Bei strömenden Regen erkundete wir das Regierungsviertel und schauten sogar bei der Downing Street 10 vorbei. Zudem machten wir es uns zur Aufgabe, den bekannten Fotodruck der roten Telefonzelle mit dem Parlament im Hintergrund nach zu fotografieren. Es wurde geposed und für potenziell albumwürdig eingestuft. Wir bummelten über die Tower Bridge und machten es uns am anderen Themse Ufer gemütlich. Die Fahrt mit dem London Eye gab uns eine tolle Aussicht über die Stadt und in Madame Toussauds Keller, schrie ich, wie verrückt. Stundenlang streiften wir durchs British Museum und konnten uns an den Mumien und Sarkophagen kaum satt sehen. Wir waren klassische Touris und genossen unsere Freiheit. Beeindruckt war ich vom verzweigten Londoner U-Bahn-System und diesen wunderbar alten und gut erhaltenen Stationen mit ihren unendlich langen Rolltreppen, die, als wir zum ersten Mal hier waren, sogar teilweise noch aus Holz waren.

Wir aßen Curry und Pizza, flanierten durch Soho und suchten die blaue Tür in Notting Hill. Stundenlang wanderten wir durch diese Stadt und sogen ihre Kultur und ihren Charme in uns auf. Wir waren verzaubert und verliebt.

Am letzten Tag war für uns klar: Wir kommen wieder!

© KlaraFrühling 2021-05-04

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