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#weltreise#kirschblüte#kyoto

Platzangst in der „Todes“-Kapsel

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Platzangst in der „Todes“-Kapsel | story.one

JAPAN ist schon viele Jahre eine Wunschdestination von mir. Ein weitgereister Freund hat einige Monate im „Land der aufgehenden Sonne“ verbracht und bei jedem Treffen davon geschwärmt.

Im Zuge einer Weltumrundung landen wir am Tokio-Haneda Airport. Schon bei der Einreise werden wir von freundlichen Beamten mit Konnichiwa begrüßt. Die Menschenmassen in der U-Bahn und im Stadtzentrum sind Ausländern gegenüber sehr zurückhaltend, schenken uns aber immer ein Lächeln.

Wir sind genau zur Kirschblüte gekommen, in den Parks picknicken die Einheimischen auf blauen Plastikplanen direkt unter den zartrosa blühenden Kirschbäumen. Es herrscht eine fröhliche Stimmung.

Da die Hotels in Japan so teuer wie in der Schweiz sind, übernachten wir meistens in kleinen privatgeführten Homestays. Hier erleben wir das authentische Japan, schlafen direkt auf Futon-Matten am Boden und essen Teishoku - ein japanisches Menü. Zum Relaxen setzen wir uns in die Onsen genannten Wasserbecken und plaudern mit älteren Japanern. Danach träumen wir im heißen Wasser von unseren bisherigen Erlebnissen, vom Ausblick auf den Mount Fuji, den vielen Tempeln und dem exotischen Essen.

Mit dem Japan Rail Pass können wir den Shinkansen-Schnellzug nach Kyoto nehmen. Der Zug ist auf die Sekunde pünktlich, entsprechend modern und perfekt sauber.

Hier in der Millionenstadt haben wir eine besondere Übernachtungsmöglichkeit gebucht. Ein Kapsel-Hotel! Das ist die günstigste Möglichkeit, aber wir wissen nicht, was uns erwartet.

Beim Check-in für 3 Übernachtungen erhalten wir unsere Kapsel-Nummern zugeteilt. Im gesamten Hotelkomplex über 8 Stockwerke sind nur Männer erlaubt. Wir werden über die Hausregeln aufgeklärt. Es gibt einen schmalen Spind für unsere Kleidung und wir müssen uns sofort umziehen. Man darf sich nur mit Hauspantoffeln und hauseigenem Pyjama im Hotel bewegen, auch ins Hotel-Restaurant geht man in diesem Outfit. Tätowierungen sind nicht erlaubt und müssen abgeklebt werden. Es darf nur geflüstert werden, auch im riesigen Gemeinschafts-Badezimmer und im Aufenthaltsbereich. Hier sind auch viele Geschäftsreisende im Haus-Pyjama und arbeiten an Laptops. Ein komischer Anblick.

Wir erhalten Handtücher, für jeden Tag eine Zahnbürste und viele andere Pflegeartikel und betreten den Kapsel-Schlafsaal. Hier der erste Schock: Es gibt 100 solcher Kapseln in jedem Raum. Und der zweite Schock: Die Kapseln sind nur 1,8 Meter lang und 1 Meter hoch. Sie sehen aus wie Bienenwaben oder wie ich mir denke ein Leichen-Kühlraum. Mich schaudert es und ich bekomme Platzangst. Wie soll ich in so einer engen „Todes“-Kapsel auch nur eine Nacht überleben?

Müde nach einem langen Besichtigungstag krieche ich in die enge Plastikkabine … und es ist erstaunlich gemütlich. Die Matratze ist angenehm weich, der Innenraum ist klimatisiert und es gibt eine Leselampe und einen kleinen Fernseher.

Wir schlafen wunderbar in unseren kuscheligen Schlafhöhlen.

© kris-traveller 2021-02-23

Reisen

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