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Allein, ganz allein

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Allein, ganz allein | story.one

Samstag-Mittag. Ich sitze am Tisch und schreibe meine Gedanken mit dem Füller auf schönes Papier. Schreibe alles auf, was mir in den Sinn kommt. Nicht um das Geschreibsel dann zu veröffentlichen, nein, nur für mich selbst. Es tut so gut, mir alles von der Seele schreiben zu können, was mich gerade beschäftigt. Es ist fast so wirkungsvoll wie meine wöchentliche Therapiestunde. Tränen laufen über mein Gesicht. Sie dürfen kommen. Sie erleichtern mich. Sie tun gut. Niemand fragt nach: „Was ist los?“. Gut so!

Ich bin allein, ganz allein. Heute. Für ein paar Stunden. Mein Freund ist nicht da. Ebenso wenig mein Hund Benny, der normal dauernd um Streicheleinheiten bettelt. Gerne kuschle ich mit ihm, doch manchmal geht er mir auch auf die Nerven mit seinem Ewig-gestreichelt-werden-Wollen.

Keine Verabredung am Nachmittag. Nein, erst am Abend. Ich genieße das sehr. Ich bin derzeit so gerne allein. Es ist purer Luxus für mich.

Ich liebe nette Gesellschaft und ziehe diese oft dem Alleinsein vor. Aber jetzt gerade möchte ich gerne ganz für mich sein. Ich höre Musik, trinke Tee und hänge meinen Gedanken nach. Im Ofen lodert das Feuer.

So viele Ideen wurden geboren in dieser stillen Stunde. “Langeweile ist gut für Kreativität“, diesen Satz hörte ich in einer Ausbildung. Wie wahr er doch ist.

Wobei zu tun gäbe es genug. Das Haus ist groß und gehört aufgeräumt, geordnet. Aber das ist alles nicht so wichtig. Nicht so wichtig, wie ich selbst, gerade in diesem Moment.

Ich bin allein, ganz allein, mit mir. Nicht ewig (zum Glück). Doch viele inspirierende Momente lang. Wie wunderbar.

© Kristina Fenninger 2020-02-29

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