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#menschenliebe#gestendermenschlichkeit

De Stinkakassemme

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De Stinkakassemme | story.one

Die Sonne stand am Himmel. Tief atmete ich ein und aus. Die Luft war klar. Ich fĂĽhlte mich leicht und frei.

Einen wichtigen Termin hatte ich wahrzunehmen. Deshalb war ich das erste Mal seit Wochen wieder in meiner Lieblingsstadt Salzburg unterwegs. Ich schlenderte durch die Linzer Gasse. Gut fühlte es sich an, endlich mal wieder dort zu sein. Doch war alles anders irgendwie. Kaum Leute. Doch plötzlich sprach mich ein Mann an:

„So wenig Leid san unterwegs, wegn dem Virus. I bin obdachlos und hob an Hunger. Ham se zwa Eiro für mi?“ („So wenige Leute sind unterwegs, wegen dem Virus. Ich bin obdachlos und habe Hunger. Haben Sie zwei Euro für mich?“)

„I geh zum Spar und kaf eana wos!“ („Ich gehe zum Spar und kaufe Ihnen was!“)

„Ja, kafns ma wos. I hob Hausverbot beim Spar, weil i moi an Schoklad gstoin hob, weil i an Hunga ghobt hob. A Stinkakassemme mecht i gern, bitte. Gorgonzola oda so.“(„Ja, kaufen Sie mir was. Ich habe Hausverbot beim Spar, weil ich mal eine Schokolade dort gestohlen habe, weil ich Hunger gehabt habe. Eine Stinkkäsesemmel möchte ich gern bitte. Gorgonzola oder so.“)

Also ging ich zum Spar und suchte eine Stinkekäsessemmel. Leider vergeblich. Ich fand keine solche. Eine Frischetheke hatte dieser kleine Supermarkt nicht. Ich entschied mich für ein Brot mit Butter und Gouda. „Hoffentlich ist ihm das recht“, dachte ich mir. Vor längerer Zeit nämlich hatte mich mal ein Obdachloser geschimpft, weil ich ihm nicht genau das gebracht hatte, was er sich wünschte, sondern etwas Ähnliches. Ich war traurig und ehrlich auch enttäuscht darüber.

Doch diesmal war alles anders:

Herzlich bedankte sich der Mann fĂĽr das Brot und das Twix. Ich beschloss, ihm auch noch einen Riegel mitzunehmen. Etwas Nahrung fĂĽr die Seele kann ja nie schaden! Ich war ehrlich froh und erleichtert ĂĽber seine Reaktion.

Wir verabschiedeten uns, und ich ging in ein anderes Geschäft. Als ich von dort wieder herauskam, sah ich, wie der Mann genüsslich sein Brot aß. Mein Herz freute sich, dass es ihm wohl schmeckte. Auch er hatte mich wieder erblickt. Er winkte mir zu und sagte erneut mit vollem Mund: „DANKE.“

„Bitte, mein Freund, beim nächsten Mal gern wieder.“

© Kristina Fenninger 2020-04-21

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