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#freundschaft

Der Thron im Eis

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Der Thron im Eis | story.one

Es war ein vielversprechender Wintertag. Gerold, ein Österreicher, der in Norwegen lebte, und seine zwei norwegischen Freunde unternahmen eine Skitour auf den Sandviktinden (1534). Gestartet wurde bei Meereshöhe. Gerold, ein fitter, viel erfahrener Bergsportler, ging top ausgerĂŒstet voran.

Der Gipfel war nicht mehr weit entfernt, als Gerold ein dumpfes GerĂ€usch hörte. Es gelang ihm nicht, sich in Sicherheit zu bringen. Er verlor den Boden unter den FĂŒĂŸen. Eine Wechte war weggebrochen. UngefĂ€hr 10 Meter war er abgestĂŒrzt. Es war ein richtiges Wunder, dass es “nur“ zehn Meter waren. Ein “Thron“ im Schnee fing ihn auf. Er saß da wie ein König. Seine Freunde waren schockiert und dachten, er sei tot. Doch wenige Minuten spĂ€ter lĂ€utete das Handy des einen. Gerold war dran. Die Freude der beiden war unbeschreiblich groß. Sie setzten sofort den Notruf ab.

Inzwischen hatte Gerold große Angst, dass der “Thron“ wegbrechen und er viele hunderte Meter abstĂŒrzen wĂŒrde. Das nĂ€mlich hĂ€tte seinen sicheren Tod bedeutet. In Norwegen ist es nicht so wie bei uns in Österreich, dass der Rettungshubschrauber binnen weniger Minuten vor Ort ist. Lange saß er da und bangte. Er rief seine Frau an und erklĂ€rte ihr unter TrĂ€nen, dass es sein kann, dass er nicht mehr nach Hause kommen wird.

Plötzlich aber hörte er etwas. Diesmal war es keine Wechte, nein, es war die Rettung, seine Rettung. Ein riesiger Stein fiel ihm vom Herzen. Es dauerte dann aber noch eine Weile, bis sie Gerold fanden. Winken wollte er nicht. Möglichst ruhig nĂ€mlich wollte er sich verhalten, damit er nicht wegbrechen wird. Irgendwann aber wurde er gefunden und ein Bergretter am Seil zu ihm heruntergelassen. Doch er kam nicht hin zu ihm. „Wenn er mich jetzt nicht bald erwischt, dann springe ich ihn an“, dachte er. Doch es gelang.

Gerold konnte geborgen und ins Tal geflogen werden, wo schon seine Freunde auf ihn warteten. Sie waren mit den Skiern abgefahren. Die Freude war unbeschreiblich. Lange hielten sie sich unter TrÀnen in den Augen in den Armen. Dann rief Gerold seine Frau an und sagte ihr, dass er nach Hause kommen wird.

© Kristina Fenninger 2020-06-21

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