skip to main content

#diagnosemensch#wirmachenmut#mutmacher

Die Explantation

  • 265
Die Explantation | story.one

Seit zweieinhalb Jahren habe ich ein Implantat. Nein, nicht etwa in der Brust, sondern oberhalb der rechten Brust. Port nennt sich dieses Implantat. Es ist ein dauerhafter Zugang von außen in eine Vene und soll helfen, wenn man regelmĂ€ĂŸig Medikamente direkt in die Blutbahn bekommt. Somit wird verhindert, dass fĂŒr jede Infusion wieder eine Vene angestochen werden muss. 2018 wurden eben regelmĂ€ĂŸig Zytostatika in mich hinein gejagt. Seit August 2018 nicht mehr. Was fĂŒr ein GlĂŒck! Nach Therapieende bleibt der Port aber noch fĂŒr mindestens zwei Jahre drinnen. Man weiß ja nie, ob man ihn nicht vielleicht doch wieder braucht. Meine Schwester meinte vor kurzem, ich sei nicht ganz normal, als ich ihr sagte, dass ich ihn irgendwie sogar mag, meinen Port. Vielleicht hab ich ihn gern, weil er vieles erleichtert hat. Ich weiß nicht genau, warum.

Jedenfalls habe ich gestern ein Schreiben bekommen, dass er am 25.11. dieses Jahres explantiert wird, mein Kumpel. Ich freue mich doch sehr. Es ist ja wirklich ein sehr gutes Zeichen. Die kritischen zwei Jahre sind ĂŒberstanden. Wie wunder-,wunderbar.

Schon seit lĂ€ngerer Zeit ĂŒberlege ich ein Buch mit Geschichten, welche Krebspatienten*innen vielleicht Mut machen, herauszugeben. Auch finden sich lustige und fröhliche Geschichten in dieser Sammlung wieder, da der Alltag im Krankenhaus ohnehin so manches Mal sehr grau sein kann. Außerdem bin ich ĂŒberzeugt, dass Humor in diesem Fall vielleicht nicht die beste, aber doch eine sehr gute Medizin sein kann. Geschichten habe ich schon lĂ€ngst genug beisammen. Doch fehlte es mir bis jetzt am richtigen Titel. Erst dachte ich, ich nenne es “Mutmachbuch fĂŒr Krebskranke“. Doch gefĂ€llt mir dieser Titel nicht wirklich gut.

Seit heute Morgen aber weiß ich den Titel: “Die Explantation - Geschichten fĂŒr (Krebs)-Kranke“.

Warum dieser Name? Ich finde, dass Explantation ein kunstvolles Wort ist. Es gefĂ€llt mir sehr gut. Und zugleich denke ich, macht es Mut. Wenn er nĂ€mlich herausgenommen wird, der Port, so hat man vieles geschafft. Vielleicht ist es fĂŒr den einen oder anderen noch ein weiter Weg, bis es so weit sein wird, doch es lohnt sich durchzuhalten, zumindest in meinem Fall war dies der Fall.

Es war Sommer 2018, als ich gerade auf die Blutkontrolle wartete. Freudestrahlend kam eine Frau aus dem Arztzimmer raus und sagte: „Der Port kommt jetzt demnĂ€chst heraus“. Diese Worte machten mir persönlich unglaublich Mut. Und vielleicht auch dir? Auch deshalb der Titel “Die Explantation“.

So bleibt mir nun nur noch ĂŒbrig, dir fĂŒr deinen Weg das Allerbeste und vor allem ganz viel Kraft zu wĂŒnschen.

Kristina Fenninger, Oktober 2020

(Diese Geschichte wird wahrscheinlich die erste in meinem BĂŒchlein sein. Feedback ausdrĂŒcklich erwĂŒnscht. Gern auch kritisches! Vielen Dank!)

Foto: Steve Johnson

© Kristina Fenninger 2020-10-09

diagnosemenschwirmachenmutmutmacherhaut

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.