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DINO

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DINO | story.one

Ich will ihn Dino nennen in meiner Geschichte. Eigentlich aber heißt er anders. Der Name Dino stammt aus dem Italienischen und bedeutet Hoffnung. Und ja, Hoffnung kann er gut gebrauchen, der Dino.

Wir beiden lagen auf der gleichen Station. Er hatte nicht so ein Glück im Unglück wie ich. Die Therapie schlug am Anfang bei ihm nicht an. Später aber dann doch. Trotzdem war eine Transplantation unumgänglich für ihn. Es ist alles gut verlaufen, und auch er befand sich auf dem Weg der Besserung.

Nach wie vor schrieben wir uns manchmal. Vor ein paar Tage hatte ich eine Nachricht im Messenger. Er schrieb mir seine Telefonnummer. „Vielleicht hast mal Zeit und Lust mich anzurufen?“, schrieb er. Ich war überrascht: „Was der wohl will?“, dachte ich mir. Als ich ihn anrief, hob er beim zweiten Tuten ab. Fröhlich erzählte er mir, dass er mich letztens im Fernseher gesehen hat. Ich wurde von ATV gefragt, ob es für mich eine Option ist, meinen Hund in der Urlaubszeit ins Tierheim zu geben. Dass das nicht der wirkliche Grund war, weshalb er mich sprechen wollte, war mir schnell klar. Ein ganz ungutes Gefühl beschlich mich. Dann kamen die Worte, die ich nicht glauben wollte: „Er ist wieder da bei mir, der Krebs“, sagte er. „Nein, nein, nein, das gibt es doch gar nicht!“, dachte ich mir. „Das kann doch wirklich nicht sein!“ Ich war so sehr geschockt und bin es noch immer. Dann wollte er wissen, ob ich mir nochmal eine Chemo geben lassen würde. Ich bejahte. In meinem Fall gäbe es keine andere Option für mich. Er sagte mir, dass ihm wohl wieder die ganze Prozedur bevorstehe. Also Therapie, erneute Transplantation und dann sogar noch eine Bestrahlung.

Ich wusste nicht recht, was ich sagen sollte. Ich versuchte, so gut es eben ging, ihm Mut zu machen. Er wäre am liebsten ganz weit weg gewesen, als er von seiner Wiedererkrankung erfuhr, sagte er mir. Er konnte es einfach nicht glauben. Vielleicht wünschte er sich in die Zeit, in der es wirklich Dinos gab?! Wir redeten noch ein bisschen. Als wir aufgelegt hatten, musste ich bitterlich weinen. Einmal wäre doch schon wirklich genug gewesen. Ich war geflasht. Er tut mir so unglaublich leid. Auch wenn Mitleid etwas war, das ich damals gar nicht gebrauchen konnte. Natürlich werde ich versuchen, es beiseite zu legen, wenn ich ihn besuche.

Einige Gedanken machte ich mir auch über meine eigene Gesundheit. Am allermeisten schmerzte mich aber, als er fragte, ob ich schon wieder ein bisschen arbeite. Ich bejahte: „Ja, ich arbeite schon wieder ein bisschen.“ Was würde er dafür geben, es auch zu können! Tränen kullern mir übers Gesicht, während ich diese Worte schreibe. Ich wünsche dir so sehr, lieber Dino, dass du das auch eines Tages wieder kannst. Auch, wenn bis dahin noch ein steiniger Weg vor dir liegt. Hoffentlich kann ich dir diese Geschichte eines Tages vorlesen. Ich hoffe, dass dann ein stolzes Lächeln über dein Gesicht huscht, weil du es wieder geschafft hast. Ich denke so sehr an dich, du starker junger Mann. Du bist mein Vorbild.

© Kristina Fenninger 2019-08-25

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