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#1sommer1buch#freundschaft#familienwahnsinn

Father & Son

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Father & Son | story.one

Zwei Jahre liegt die Trennung von ihr nun schon zurück. Seither kämpft er um jede Stunde, in der sein Sohn Arthur bei ihm sein kann. Fast die Tränen treibt es ihm in die Augen, wenn er vor den Türen der Nachbarn Kinderschuhe stehen sieht. Vor der seinen ist das nur mehr ganz selten der Fall.

Er bittet und bettelt seine Ex, den kleinen Arthur an seinem 5. Geburtstag bei sich haben zu dürfen. Sie willigt ein. „Ich bringe ihn dir, trinke eine Tasse Kaffee im Café Habakuk, und dann hole ich ihn wieder ab.“ Er freut sich ungemein und ist doch auch enttäuscht, dass ihnen sogar an diesem ganz besonderen Tag nur so wenig Zeit gewährt wird.

Nichtsdestotrotz geht er auf ihr Angebot ein. Eine ganz besondere Freude will er seinem Sohn machen und einen Gugelhupf beim Konditor kaufen. Arthur liebt Gugelhupf. Doch es ist Ende des Monats und er hat kaum mehr Geld übrig. „Na gut, dann backe ich eben selbst“, denkt sich der Vater, der bis dato glaubte, völlig talentfrei in der Küche zu sein. Er geht in die Buchhandlung und stöbert sämtliche Kochbücher durch. Als er endlich ein Rezept findet, das ihm passend erscheint, zückt er seinen Schreibblock und kritzelt das Rezept flink ab. Dem Händler wirft er einen entschuldigenden Blick zu.

Voller Enthusiasmus und Vorfreude macht er sich daheim ans Werk. Er mischt die Zutaten und gibt den Teig in die grüne Keramikform, welche er sich von seiner Mutter ausleiht. Nach dem Backen übergießt er den Kuchen mit Schokolade und verziert ihn mit bunten Smarties und Gummibärchen. Kerzen dürfen auch nicht fehlen. Natürlich fünf an der Zahl. Als er mit dem Backen fertig ist, setzt er Kakao auf und gibt ordentlich Zucker hinein. So mag Arthur ihn am liebsten.

Als es läutet, öffnet er freudig die Tür. Sein Sohn strahlt ihn an, während die Mutter ihm einen strengen Blick zuwirft. „Komm rein, mein Schatz, ich habe Kuchen gebacken“, verkündet er stolz. Erwartungsvoll setzt sich der Bub an den Tisch, pustet die Kerzen aus und verspeist genüsslich Bissen für Bissen. Viel zu schnell vergeht die Zeit. Wehmütig verabschiedet er sich schon bald von seinem Kind.

Der fünfte Geburtstag von Arthur ist heuer dreizehn Jahre her. Wieder bäckt der Vater Gugelhupf. Der junge Mann freut sich. „Papa, der Kuchen, den du zu meinen fünften Geburtstag gebacken hast, war der beste meines Lebens.“ Der Vater schmunzelt und packt den restlichen Gugelhupf zum Mitnehmen für seinen Sohn ein. Diesmal kann niemand mehr etwas dagegen haben, dass er Arthur etwas von sich mit nach Hause gibt.

So schwer die zurückliegenden Jahre waren, es hat sich ausgezahlt zu kämpfen. Heute nämlich sind Vater und Sohn das, was man beste Kumpels nennen kann, und gemeinsame Zeit haben sie nun auch so viel sie wollen.

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© Kristina Fenninger 2020-09-25

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