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#mitabstandbestehilfe#menschenliebe

Fehler?

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Fehler? | story.one

„Ich schaffe das schon selbst“, sagte ein Rollstuhlfahrer im Supermarkt zu mir, als ich ihm eine Dose runtergeben wollte, weil ich sah, dass er sich schwer tat, diese zu erreichen. Ich hatte es gut gemeint, und doch hatte ich ihn, auch wenn ich das natürlich nicht wollte, verletzt. Ich merkte das.

Monatlich erwerbe ich die Salzburger Straßenzeitung “Apropos“. So manches Mal kaufe ich sie doppelt, weil ich die Verkäufer/innen unterstützen möchte. Letztens wollte ich sie aber kein zweites Mal erwerben und gab der Verkäuferin einen Euro. Anschließend fragte ich mich, ob das jetzt gut war. „Vielleicht will sie keine Almosen, sondern sich ihr Geld verdienen, wie eben ganz viele andere Menschen auch, durch Leistung“. Gut gemeint ist nämlich nicht gleich gut, weiß ich mittlerweile. Vielleicht hatte sie sich aber auch darüber gefreut. Ich weiß es nicht, nämlich konnte ich ihre Gefühlsregungen nicht wirklich deuten.

Heute am Morgen überlegte ich, ob ich meine Freundin fragen soll, wie es ihr geht! „Wie wird es ihr schon gehen?“, fragte ich mich dann. Wohl kaum so besonders. Ich entschied mich, ihr einfach ein Tierfoto zu schicken und ihr somit zu signalisieren, dass ich an sie denke. Sowieso weiß sie, dass ich immer für sie da bin.

Ja, meine Freunde wissen das! Ein Fremder auf der Straße weiß aber vielleicht nicht, dass ich gerne bereit bin, ihm zu helfen, wenn er das möchte. Mittlerweile tue ich mich aber manchmal schwer, Hilfe anzubieten, eben weil ich niemanden das Gefühl geben will, dass sie oder er auf mich bedürftig wirkt. Anderseits fühlt es sich erst recht nicht gut an, nichts zu tun und wegzuschauen.

Egal, man kann es einem Menschen noch so gut meinen, es besteht immer die Gefahr, dass man einen wunden Punkt in ihm trifft. Da muss diese Person auch gar kein Rollstuhlfahrer sein.

So überlege ich jetzt von Situation zu Situation neu, ob ich eben Hilfe anbieten soll oder nicht. Meistens entscheide ich mich für Ersteres. Denn auch einfach wegschauen, ignorieren kann weh tun. Doch gebe ich zu, dieses Thema ist kein einfaches für mich, denn was für den einen gut ist, kann für einen anderen ganz schrecklich sein. Doch entscheide ich jedes Mal aus reinstem Wissen und Gewissen. Und Missverständnisse gehören halt ihn allen Beziehungen dazu. Man kann aus ihnen sehr viel lernen, finde ich.

© Kristina Fenninger 2020-04-12

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