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Französisch, oder was?

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Französisch, oder was? | story.one

„Willst du auch einen HubbaBubba, Kristina?“, fragt mich Mori, der Sohn meiner spanischen Freundin. „Ja, voll gerne“, antworte ich. Er reicht mir einen, und ich wickle ihn aus. Und ich sag dir, völlig enttäuscht bin ich nun. Der Kaugummi ist jetzt weiß und nicht mehr so herrlich rot, wie ich ihn aus meiner Kindheit kenne.

Mori murmelt etwas, das ich nicht verstehe. Und ich kaue den Gummi enttäuscht durch. Schmecken tut er auch nicht mehr wie früher. Na ja, die Zeiten ändern sich eben. „Kannst du den Satz, den du gerade aufgesagt hast, noch einmal wiederholen für mich?“, bitte ich ihn. „Momaaa!-Patamahduuu!-Mahtdennapater-aaa?“, tönt es melodisch aus seinem Mund. „Ja Wahnsinn“, denke ich mir. „Der Knirps spricht nicht nur perfekt Deutsch und Katalanisch, sondern sogar Französisch. Völlig beeindruckt wölbt sich eine Kaugummiblase aus meinem Mund. Wenigstens für das eignet er sich gut, der HubbaBubba. Pädagogisch vielleicht nicht sehr wertvoll, aber das Kind in mir siegt. Wie sagte Michael Ende einmal: „Wenn wir ganz und gar aufgehört haben, Kinder zu sein, dann sind wir schon tot.“

„Ich will das auch können“, sagt Mori. „OK, ich bringe dir bei, wie man Kaugummiblasen macht, und du trichterst mir den französischen Satz ein und übersetzt ihn mir. Einverstanden?“ - „Einverstanden!“

„Gut durchkauen und los geht es!“, erkläre ich ihm. Immer wieder mache ich es ihm vor, und irgendwann schafft er es dann tatsächlich, eine kleine Blase zu machen. Ganz glücklich ist er nun. „So, und jetzt sprich mir den Satz vor! Deal ist Deal!“ Langsam spricht er mir vor, und ich spreche ihm nach. „Momaaa!-Patamahduuu!-Mahtdennapater-aaa?“ Nach zehn Minuten, gerade als seine Schwester heimkommt, kann ich die Wortfolge schon auswendig. „Die wird Augen machen, wenn ich jetzt auch Französisch spreche.“ Voller Stolz sage ich den Satz wie ein Schulmädchen auf und frage sie, was sie zu meinem Französisch sagt. „Aber Kristina!“, erklärt mir die Schwester mit den spanischen Wurzeln, das ist doch nicht Französisch, das ist Österreichisch!“ Sie macht mir klar, dass das Ganze ein Schmäh vom Großvater der Kinder ist. „Es geht dabei um einen Pater, der einen Mann auf der Wiese mähen sieht. 'Mo mah!', spricht er ihn an. 'Pater mähe du!', entgegnet der Bauer. 'Mäht denn ein Pater auch?', fragt der Pater. Und im Dialekt heißt das dann: 'Mo mah! Pater mah du! Maht denn a Pater ah?'“

„WAAAAAS?“ Der Bengel und seine Schwester lachen sich krumm über mich und wiederholen: „Momaaa!-Patamahduuu!-Mahtdennapater-aaa?“

Damit ist mein Traum, zumindest zwei Sätze auf Französisch sprechen zu können, gerade zerplatzt wie die riesige Kaugummiblase, die ich dem Buben sanft ins Gesicht klatsche.

© Kristina Fenninger 2020-09-01

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