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#achtsamkeit#muttererde

Fred, der Mülltaucher

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Fred, der Mülltaucher | story.one

Der Tag ging langsam zu Ende, als Fred (Name geändert) zu mir kam und sich einen Kaffee kaufte. Weil ich halt noch so viele Croissants übrig hatte, welche ich hätte wegschmeißen müssen, schenkte ich ihm eins.

Ich mag es nicht, wenn man Kinder mit dem Satz "Woanders verhungern die Kinder, also iss auf!", zum Aufessen zwingt. Wenn man satt ist, ist man satt, und niemand hat etwas davon, wenn man sich überisst, weil woanders Menschen verhungern. Essen soll auch Genuss sein.

Aber ich mag es halt auch nicht, wenn Lebensmittel, welche noch gut sind, in den Müll geworfen werden. Täglich warf ich viele Lebensmittel weg, weil es mir nicht erlaubt wurde, sie zu verschenken.

Das tat mir im Herzen weh. Irgendwann aber ignorierte ich das Verbot und verschenkte abends einen Teil der übrig gebliebenen Ware, wohlwissend, dass diese Aktion mich meinen Job hätte kosten können. Die "weggeschmissenen" Lebensmittel musste ich in eine Liste eintragen. Am Ende des Monats war diese Liste immer recht voll. Ich verstand nicht, warum man nicht weniger produzieren konnte.

Am nächsten Tag kam Fred dann wieder zu mir und erzählte mir von seiner ganz persönlichen Aktion. Er "taucht" in den Müllcontainern der Supermärkte nach Essbarem. Sehr oft war die Ware noch original verpackt und vom Ablaufdatum noch weit entfernt. Einen Großteil der Lebensmittel verschenkte Fred an bedürftige Menschen in der Stadt und einen Teil aß er selbst. Ob er nicht abends kommen und das Essen, das ich wegschmeißen würde, holen könne, wollte er wissen.

Gerne hätte ich sofort zugestimmt, doch war mir das Ganze dann doch zu gefährlich. Ich wollte das mit meinem Chef klären, und irgendwann schaffte ich es, ihn zu überzeugen. Lange war er skeptisch, würden nämlich die Sandwiches nicht ordentlich gekühlt und würde jemand krank davon werden, so könnte man uns anzeigen. Ich verstand seine Bedenken.

So vereinbarten wir, dass ich nur Lebensmittel, welche nicht so schnell verdarben, hergab.

Ich teilte Fred meine Dienstzeiten mit, und regelmäßig kam er zu mir.

Bald aber wechselte ich den Job. Was von da an mit dem übrig Gebliebenen passierte? Ich weiß es nicht.

Und die Moral von dieser Gschicht:

Essen, das nicht landet in der Tonne,

schenkt dem Bedürftigen noch Wonne.

Auf lange Sicht auch dir und mir,

mein lieber Freund, das sag ich dir.

Denn haben wir etwas weniger Müll,

bleibt es auf der Erde länger kühl.

Wald brennt eh schon mehr als gut,

darum bin ich künftig auf der Hut.

Mir selbst will ich ein Bespiel sein!

Und fallen meine Wörter mir nicht ein,

so rufe ich sie mir in mein Hirn,

damit uns erhalten bleiben die gsund‘n Birn.

© Kristina Fenninger 2021-05-01

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