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Freiheitsberaubung?

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Freiheitsberaubung? | story.one

Oftmals schob ich frĂŒher meinen Schmerz beiseite. Du brauchst nicht traurig sein, es gibt Milliarden Menschen auf der Welt, denen es tausend Mal schlechter geht als dir selbst, sagte ich mir. Heute schaue ich genau hin, wenn ich verletzt bin. Den Schmerz lasse ich zu. Er darf sein. Ich frage mich, was er mir sagen will.

Ich versuche auch den Schmerz meiner Mitmenschen zu verstehen. Über niemanden möchte ich urteilen.

Jetzt haben wir den zweiten Lockdown. Soziale Kontakte mĂŒssen oder sollen auf ein Minimum reduziert werden. Es finden keine Veranstaltungen statt. Auf die Kultur mĂŒssen wir fast gĂ€nzlich verzichten. Eine herausfordernde Zeit fĂŒr den freiheitsliebenden EuropĂ€er. Auch ich liebe das selbstbestimmte, bunte, unbeschwerte Leben. Auch mir fehlt gerade einiges: Konzerte, Kabaretts, der Cappuccino mit Freunden im CafĂ©haus in der Stadt, der Besuch im urigen Restaurant und vieles mehr. Doch komme ich mit der Situation recht gut zurecht. Habe ich doch in meinem Leben schon weit Schlimmeres erlebt. Ich bin dankbar, einfach dankbar, dass ich gesund bin.

Ich verstehe aber sehr gut, dass viele schrecklich unter dieser Situation leiden: Alleinstehende. Alte Menschen im Altersheim, die plötzlich kaum mehr besucht werden dĂŒrfen. Kinder, die derzeit nicht in die Schule gehen können. Lebensgenießer wie du und ich.

Doch wenn jemand sagt, dass die jetzige Situation, die AusgangsbeschrÀnkung, das "Eingesperrtsein" wie damals im Krieg ist, wo man nicht raus sollte, weil Bomben vom Himmel fielen, dann hat meine Empathie ein Ende.

Was bitte soll sich jemand denken, der jahrelang gegen den Hunger- und Erfrierungstod gekĂ€mpft hat. Wie muss so ein Mensch sich fĂŒhlen, wenn die derzeitige Lage mit Krieg verglichen wird?

Es ist gerade keine leichte Zeit. Doch sie wird vorĂŒbergehen. Wir werden wieder tanzen, wir werden wieder lachen, wir werden wieder ans Meer fahren können, vorausgesetzt, der finanzielle Schaden durch die Krise lĂ€sst es zu.

Es werden wieder andere, leichtere, fröhlichere Tage kommen.

Bitte lasst uns die jetzige Situation nicht mit Krieg vergleichen, bitte nicht!

Es schmerzt mich in der Seele, wenn ich so was höre.

Was soll sich jemand denken, der vom Krieg in irgendeiner Art und Weise betroffen war und ist?!

Was soll sich bitte so jemand denken?

© Kristina Fenninger 2020-11-22

menschenliebeLOCKdown - 2.(0) Klappe

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