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Oma und das heilige Wasser aus Lourdes

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Oma und das heilige Wasser aus Lourdes | story.one

„Gell Bua, vergiss ma fai jo ned Wossa aus Lurdess mitznehma, wenn du hiatzt donn in Frankreich bist!“

„Na Oma, des vergiss i fix ned. Pfiat di, i bin jetzt weg!“

„Pfiat di, Fronz! Vielleicht erscheint dir jo a de Gottesmutter Maria, so wia da Bernadette. Des dad dia fai goar nix schodn. Vielleicht werst dann endlich a weng gscheider im Schädl.“

„Jo, jo, is scho guad Oma. Pfiat di!“

„Pfiat di Fronz, und vergiss ma fai jo ned auf des Wossa aus Lurdess, wenn du hiazt donn in Frankreich bist!“

Es ist wahrlich kein Wunder, dass ihm der Kopf nun ordentlich brummt, dem Franz, als er das Haus seiner Oma verlässt. Viel mehr wäre es ein solches, wenn dem nicht so wäre, so viel wie die alte Dame immer quasselt.

Am nächsten Morgen macht er sich in seinem knallroten alten Fiat Uno auf den Weg nach Frankreich.

Sein Weg führt über den Brenner nach Monaco an die Côte d’Azur. Lourdes steht eigentlich so gar nicht auf seinem Reiseplan. Doch weil er halt der Oma eine unbändige Freude machen will und ihr das begehrte Heilwasser mitbringen möchte, nimmt er den gewaltigen Umweg zu den Pyrenäen in Kauf.

Zwei 10-Liter-Kanister kauft er in einem Souvenirgeschäft bei der Grotte und füllt diese mit dem heiligen Wasser, welches Kranke angeblich wieder gesund machen soll. „Für was braucht die Oma das überhaupt? Sie ist ja gar nicht krank“, überlegt er nun. Doch jetzt ist er schon mal hier. Auch eine Plastik-Mutter-Gottes füllt er ihr mit dem Wasser. „Da wird sie sich besonders freuen, die Oma“, ist er sich sicher.

Freudig schleppt er die Kanister in sein ohnehin schon sehr beengtes Auto. Drei Wochen insgesamt wird er unterwegs sein. Viel Gepäck hat er also dabei. Nämlich wird er keine Möglichkeit zum Waschen haben. Schlafen wird er die ganze Zeit im Auto.

Als ziemlich ungemütliche Angelegenheit stellen sich dann die kommenden Nächte heraus. Fast bekommt er ein wenig Platzangst in seinem Fiat. Er überlegt, die Kanister über die Nacht vor dem Auto stehen zu lassen, aber das ist ihm aber dann doch zu gefährlich. Schließlich weiß man ja nie, ob sich nicht auch ein Dieb über heiliges Wasser freut.

Müde und erschöpft kommt er viele Tage später daheim wieder an. Er freut sich nun sehr auf erholsamen Schlaf, ohne links und rechts von seinem Kopf einen klucksenden Wasserkanister spüren zu müssen. Am nächsten Tag besucht er dann seine Oma. „Mei Bua, des freit mi fai sakrisch, des heilige Wossa. Donk da schee.“

Und schon ist er auch wieder weg für heute.

Mehrere Wochen später sucht er seine Oma nun erneut auf.

„Fronz i sog da oans, de Maierin und de Huaberin san gonz begeistert von deim Wossa. So schee glott ois wia mit dem Wossa san de Hemdn nu nia woan. Do freit sie da Herrgott bestimmt, wenn de Männa von dene jetzt extra schee büglts Gwand am Sundog in da Kirchn ohom. Und as Bügleisen vakoicht a ned so schnai! Wos moanst du Fronz?“

„Jo Oma! Ganz bestimmt freit sie do da Herrgott sakrisch.“ Und nun überlegt er, der Franz, ob die Oma nicht vielleicht doch ein klein wenig Heilwasser nötig hätte.

© Kristina Fenninger 2020-10-10

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