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Herrlich unperfekt

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Herrlich unperfekt | story.one

Im Herbst fragte mich eine Freundin, ob ich mit ihr zum Einkaufen in den Europark fahren will. Noch bevor mir einfiel, dass ja am besagten Tag der Black Friday war, sagte ich zu. Wir schoben uns durchs Gewusel. Eine gefĂŒhlte Ewigkeit fand ich nach dem Shoppen mein Auto nicht mehr. Hab ich doch woanders geparkt als sonst immer. Ich war den TrĂ€nen nah, war es doch sehr kalt. Meine Jacke hatte ich im Auto gelassen.

Jetzt aber wieder zurĂŒck ins Innere des Einkaufszentrums:

In einem GeschĂ€ft stach mir ein Kleid in die Augen. „Wow“, dachte ich mir, das gefĂ€llt mir. Ich probierte es an, und wir beide waren uns einig: „Es stand mir gut!“ Ich fand, edel schaute es aus, das gute StĂŒck. „Wann bitte soll ich das anziehen?“, fragte ich mich. Bevorzuge ich doch abgefuckte Irish-Pubs und nicht Schicki-Micki-Clubs. In “meinen“ Lokalen wĂ€re ich damit eindeutig overdressed. Also ließ ich das Kleid erstmal zurĂŒck. Doch ging es mir nicht aus dem Kopf, und beim anschließenden Essen sagte ich zu meiner Freundin im Spaß: „Ich kaufe es mir jetzt, und wenn ich dann irgendwann mal eine Bestseller-Autorin (grins,grins) bin, ziehe ich es bei meiner Lesung an. Gesagt, getan.

Zwar bin ich noch immer keine Bestseller-Autorin (was fĂŒr ein Wunder :)), doch meine Freude ist riesengroß darĂŒber, dass ich nĂ€chste Woche in Linz bei Thalia meine Geschichte “FĂŒr dich und auch fĂŒr mich“ vorlesen darf. Mein neues Kleid möchte ich zu diesem Anlass anziehen. Ich bin der Meinung, dass man zu diesem aber unbedingt Stöckelschuhe tragen muss. Und das ist ein Problem fĂŒr mich, weil ich halt mit besagten Schuhen so gar nicht besonders gut gehen kann. Auch habe ich X-Beine. „Hhmm, was mache ich?“, ĂŒberlegte ich immer wieder hin und her? Und heute am Morgen hab ich beschlossen: Ich werde das Kleid mit meinen Stöckelschuhen tragen, auch wenn ich dazu schon meinen Mut etwas zusammennehmen muss. Aber was soll denn schon passieren?

Die story.one Autorin M.B. hat mich dazu mit ihrer Geschichte motiviert, in der sie schrieb, dass sie vor Aufregung gar nicht merkte, dass sie mit ihrem Fuß bei der Lesung in Wien beinahe ihre Handtasche mit auf die BĂŒhne geschliffen hatte. Ist ja alles egal, ist ja menschlich. Sogar fand ich sie dafĂŒr ganz liebenswert.

Meine Haare werde ich zu einem Pferdeschwanz zusammenbinden, auch wenn das noch etwas wild ausschauen wird. Doch bin sehr stolz darauf, dies wieder tun zu können, war ich doch vor gar nicht allzu langer Zeit eine Glatzen-TrÀgerin.

So werde ich nĂ€chste Woche zwar vielleicht nicht perfekt aussehen und wahrscheinlich auch nicht perfekt sein, aber doch werde ich mich sehr glĂŒcklich und dankbar fĂŒhlen. Ist das nicht alles was zĂ€hlt?

© Kristina Fenninger 2020-02-27

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