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#wagemutig

Horoscope

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Horoscope | story.one

Ich kann nicht mehr schlafen. Eine innere Unruhe macht sich in mir breit. Die Gedanken kreisen. Also stehe ich auf und ziehe mir meinen neuen blauen Mantel an. Vor ein paar Tage löste er meine alte Winterjacke ab. Sie war vom Waschen gezeichnet und sah nicht mehr schön aus. In meinem neuen Mantel aber fĂŒhle ich mich beinahe ein wenig elegant.

Es ist noch finster, als ich die Wohnung verlasse. Die Weihnachtsbeleuchtung ist an. Ich drehe eine Runde ĂŒber den menschenleeren Domplatz. Mein Kopf wird klarer, und allmĂ€hlich löst innerer Frieden die vorherige Unruhe ab. Ganz klein bin ich im Gegensatz zu dem großen prunkvollen Dom. Doch trotzdem fĂŒhle ich mich gerade jetzt groß und stark. Die Trafik sperrt auf, und ich kaufe mir eine Tageszeitung. In einer BĂ€ckerei hole ich mir einen Kaffee und ein Kipferl. Ich setze mich auf eine Bank, tunke das Croissant in den Cappuccino und genieße mein FrĂŒhstĂŒck. Es tut meiner Seele gut und wĂ€rmt von innen. Ehe es mir zu kalt wird, schlage ich die Tageszeitung auf und lese mein Horoskop. Vor kurzem habe ich angefangen, es tĂ€glich zu lesen. TatsĂ€chlich hat es schon das eine und andere Mal beinahe gestimmt.

„TĂŒren öffnen sich, an die Sie bisher nicht einmal zu klopfen wagten“. So lautet der erste Satz in meinem Tageshoroskop. „Aha! Interessant!“, denke ich mir nur und schaue auf die Uhr. Zwar ist es jetzt hell geworden, aber doch noch zu frĂŒh, um an einer TĂŒr anzuklopfen. Ich gehe auf den Mönchsberg und ĂŒberlege hin und her: „Soll ich, oder soll ich nicht?“ Nun bekomme ich leichte Magenschmerzen, wie immer, wenn ich nervös bin. Ich bleibe stehen, nehme den Kragen meines Mantels in beide HĂ€nde und schaue geradeaus. Ich sehe die Stadt unter mir und frage mich, was ich denn zu verlieren habe! Wahrlich nicht viel.

So gehe ich wieder runter in die Stadt, zwar immer noch sehr nervös, aber mit einem festen Plan und einem Ziel vor Augen. Die Kirchenuhr schlĂ€gt Viertel nach. Ich atme noch einmal tief ein und wieder aus und dann drĂŒcke ich auf die TĂŒrklingel 


© Kristina Fenninger 2020-12-16

mutmacher

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