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Ich habe einen Korb bekommen!

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Ich habe einen Korb bekommen! | story.one

Also da war ich dann wirklich schon traurig, als man mir einen Korb verpasst hat. Aber jetzt mal schön langsam und der Reihe nach: nach mehreren Telefonaten schrieb ich mir das Date am 7. April 2021 in dicken lila Lettern in meinen Kalender. Obwohl ich mir sagen ließ, dass Lila die Farbe der unbefriedigten Hausfrau ist, ist diese Farbe trotzdem derzeit eine meiner Lieblingsfarben.

Freudig bereite ich mich auf diesen Tag vor. Ich gehe zum Friseur und lasse mir die Haare schneiden. Ich finde, sie brauchen wieder etwas mehr Pepp. Die ZehennĂ€gel werden lackiert, vielleicht ist es ja an diesem Tag so warm, dass ich bereits in Sandalen durch die Stadt laufen kann. Meine körperliche Ausdauer trainiere ich, indem ich mich nach getaner Arbeit mit den Skiern den Berg raufschleppe, Fitness kann ja nie schaden. Man kann ja nicht wissen, was alles passieren soll an diesem Tag. Schon lĂ€nger habe ich es nĂ€mlich nicht mehr getan! Außerdem: literweise KrĂ€utertee, viel Obst und GemĂŒse, mehr als genĂŒgend Schlaf.

Es soll ein großer Tag fĂŒr mich werden, so zumindest habe ich mir das ausgemalt.

Dann kommt er also, der 7. April. Wie gut, dass ich nach wie vor nur Teilzeit arbeite. So habe ich frei an diesem Tag und kann mich besonders gut auf das Date vorbereiten. Ich frĂŒhstĂŒcke ausgiebigst und trinke wiederum sehr viel Tee. Frisch geduscht, mit glĂ€nzenden Haaren und mit meiner nach Eukalyptus und Rosmarin riechenden Lieblingskörpercreme sanft eingeschmiert, mache ich mich zu Fuß auf den Weg.

Ich atme die Aufregung gekonnt weg, indem ich immer wieder tief ein- und langsam, ganz langsam, ausatme. Dann komme ich an und werde mit einem strahlenden LĂ€cheln begrĂŒĂŸt.

Wie ich das erkennen kann, willst du wissen? NatĂŒrlich hat er eine Maske auf. Na ja, seine Augen strahlen mit den meinen um die Wette. Wir tauschen ein paar Wörter aus, und du wirst nicht glauben, was dann passiert. Er schickt mich einfach weg. Ja, wirklich! Das tut er! Er sagt, es tut ihm leid, aber es geht einfach nicht. Er lĂ€sst mich sperren, lebenslĂ€nglich. Ich verstehe und trete sehr enttĂ€uscht den Heimweg an. Warum hat man mir dann am Telefon gesagt, dass es geht, frage ich mich. Na ja, hĂ€tte ich mich vielleicht gleich an die richtige Stelle wenden sollen. Was ich denn tun wollte, fragst du dich jetzt: Ich wollte nur mein Blut spenden, um einem anderen Menschen zu helfen, so wie ich das frĂŒher schon viele Male gemacht hatte. Meine Motivation ist noch viel grĂ¶ĂŸer, seit ich selbst auf fremdes Blut angewiesen war.

Aber na ja, ich werde mir einen anderen Weg suchen, um Gutes zu tun. Bestimmt fÀllt mir etwas ein!

© Kristina Fenninger 2021-04-18

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