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Intelligenz ist sexy

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Intelligenz ist sexy | story.one

Der Aufstieg, der Gipfel und die Abfahrt liegen hinter mir. Ich schnalle die Skier ab und lege die letzten paar Meter bis zu meinem Auto zu Fuß zurück. Ein schwarzer Mercedes kommt auf mich zu und hält direkt hinter meinem Auto. Die Insassen, zwei Männer, schaue ich mir jetzt ganz genau an. Und was soll ich sagen! Fast hätte es mich aus den Patschen, ähh, aus den Skischuhen gehauen. Gerade als ich meine Skier abstelle, kurbelt der Beifahrer das Fenster herunter und fragt mich, ob ich denn wegfahre. Die Parkplätze sind um viertel nach elf nämlich schon wieder rar. Ich schaue ihm in seine dunklen Augen und bejahe. Wobei ich meine Antwort eine Sekunde danach auch schon wieder bereue, nämlich überlege ich jetzt gerade allen Ernstes, die Felle wieder auf die Skier zu kleben und im Windschatten der „sexy Men“ einen weiteren Aufstieg zu wagen. Doch jetzt ist es wohl zu spät. Mein Herz schmilzt dahin, und ich frage mich, wie in der Anwesenheit der Männer hier überhaupt noch Schnee liegen kann.

Ich starte meinen Schlumpf, ja, so heißt mein kleines Auto, denn er ist hellblau und die Armaturen sind weiß. Außerdem passt der Name, wie ich finde, auch recht gut zu mir, bin ich doch auch immer Mal wieder eine kleine Schlumpfine.

Als ich ausparken will, sehe ich den Mercedes noch immer hinter mir stehen. Was denken die denn? Vielleicht, dass mein Schlumpf Superkräfte hat und den ganzen Wald vor mir locker niederroden kann? Da haben sie sich aber ordentlich getäuscht, die Zwei. Ich warte gefühlte 5 Minuten lang, ziehe die Handbreme fest und steige aus. Jetzt setze ich mein fröhlichstes Zahnpasta-Lächeln auf und erkläre dem Beifahrer, welcher die Scheibe noch immer abgesenkt hat, freundlich aber bestimmt und heftig gestikulierend, dass ich mich halt schon leichter mit dem Ausparken täte, wenn sie entweder ein paar Meter nach vorne oder von mir aus auch zurückfahren würden.

Jetzt schauen mich die Männer so verdutzt an, als hätte ich gerade gesagt, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt.

Ich setze mich wieder ins Auto und siehe da, es geht doch! Der Luxusschlitten rollt nun einige Meter zurück. Als ich daran vorbeifahre, winken mir die Insassen freundlich zu. Ich winke zurück.

Gutes Aussehen ist, nein, gutes Aussehen ist bei Weitem nicht alles, stelle ich gerade fest.

© Kristina Fenninger 2021-01-31

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