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#eigenartig

MARIE

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MARIE | story.one

Mitten in der Nacht wird sie munter. Ihre Blase drückt. Also steht sie auf und begibt sich ins Badezimmer. Der sommerliche Duft ihrer Körpercreme, welche sie am Abend im Bad aufgetragen hat, strömt ihr entgegen. Der Vollmond scheint beim Dachfenster herein. Positive Energie durchfließt sie.

Unmöglich ist es ihr jetzt, ins Bett zurückzugehen. Sie will das Leben spüren. Jetzt. Sofort.

Sie sucht ihr Handy. Verdammt, wo zum Teufel hat sie das gestern gleich nochmal liegen lassen? Fast kein Tag vergeht, an dem sie nicht irgendetwas sucht. Das Leben zu leben ist ihr wichtiger als ein perfekter Haushalt. Doch das bunte Chaos führt halt des Öfteren dazu, dass sie wieder mal etwas nicht findet.

Hellwach wandelt sie durchs Schlafzimmer. Irgendwann findet sie das Gerät. Zum Glück. Nämlich hat sie Lust zum Tanzen. Auf YouTube gibt sie “Marie“ von “Alle Achtung“ ein. Dieses Lied strotzt nur so vor Lebensfreude für sie. Sie stöpselt sich die Kopfhörer in die Ohren. Schließlich will sie niemanden mitten in der Nacht stören. Außerdem ist es ihr gerade wichtig, allein zu sein. Sie, die vor nicht allzu langer Zeit ständig unter Leuten sein wollte, genießt plötzlich die “Einsamkeit“.

Ihr nächster Weg führt zum Kühlschrank. Ein Schlückchen eiskalten spritzigen Veltliner gönnt sie sich. Voller Freude gießt sie sich ein Gläschen ein. Danach reißt sie sämtliche Fenster auf. Sie liebt frische Luft - ihr Lebenselixier.

Dann beginnt sie durch die finsteren Räume zu tanzen. Licht will sie keines anmachen. Der Mond und die hereinscheinende Straßenlaterne sind ihr hell genug. Sie bewegt sich nicht taktvoll zur Musik. Sie bewegt sich so, wie es ihr gerade vorkommt. Mit leiser Stimme begleitet sie die Musik, welche an ihre Ohren strömt. Glücksgefühle durchfließen ihren Körper - solange, bis sie plötzlich fürchterlich erschrickt.

Jemand ist von der Couch aufgesprungen. Einen Schrei lässt sie los. Dann beginnt sie zu lachen. War es doch sie selbst, die den “Eindringling“ am Abend den Schlüssel gelegt hat, damit er bei ihnen auf der Couch nächtigen kann.

Die beiden mussten lachen. Kurz überlegt sie, an den See zu fahren und baden zu gehen. Doch sie begibt sich leichten Fußes in ihr Schlafgemach zurück.

Irgendwann muss sie dann wohl wieder eingeschlafen sein. Am Morgen, als die Sonne schon ins Schlafzimmer scheint, wacht sie auf, und die Erinnerungen an die letzte Nacht zaubern ihr ein Lächeln ins verschlafene Gesicht.

© Kristina Fenninger 2020-07-05

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