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Tante Tine und ihr Corpus Delicti

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Tante Tine und ihr Corpus Delicti | story.one

Zwei alte Stirnlampen besaß sie noch, meine Tante Tine. Und weil diese halt wirklich schon so uralt waren, hatte sie beschlossen, die müssen weg, die Lampen. Braucht ja schließlich kein Mensch mehr. Also warf sie die Dinger in die Mülltonne.

Eine Stunde später traf ihr Partner bei ihr ein. Er fiel aus allen Wolken: „Wie kannst du diese Raritäten nur wegschmeißen?“ Also zog sich Tine Einweghandschuhe an und fischte die Lichter etwas angeekelt wieder aus der Tonne, reinigte sie gründlichst, und stellte sie für 5,00 € per Stück in die Ebay-Kleinanzeigen. Keinen Tag später waren sie auch schon verkauft. Per Express-Versand wurden sie von Hamburg nach Bayern verschickt. Alles ja ganz unspektakulär. Aber jetzt, jetzt kommt's, jetzt pass auf: Später nämlich erfuhren die beiden, dass die Batterien ihrer Lampen einem Mörder als Tatwaffe dienten. Ja wirklich. Puh, alle Härchen meines Körpers stellen sich auf, wenn ich daran denke. Kalter Schweiß dringt aus meinen Poren. Wie arg ist das bitteschön. Wirklich nichts für schwache Nerven.

Jetzt aber schön der Reihe nach:

Der ehrgeizigen und nicht gerade sympathischen Bergführerin B.A. riss in der Kletterhalle “Himmel-Hoch“ das Seil. Sie stürzte ab, brach sich das Genick und starb. Die Frau war erfahren, und so wollte man nicht glauben, dass sie einen so schwerwiegenden Fehler begehen konnte und Material verwendete, welches nicht mehr einwandfrei war. Also wurde die Kriminalpolizei Rosenheim eingeschaltet. Im Keller des Gebäudes fand diese die Stirnlampen. Ganz genau wurden die Lichter unter die Lupe genommen, und man fand heraus, dass die alten Batterien leck waren und Säure aus ihnen austrat.

Danach nahmen die Kommissare das Seil, untersuchten es und erfuhren, dass dieses mit der Batteriesäure präpariert worden war. Die Säure wurde mit einer Spritze in das Seil injiziert.

Die Kripo machte sich auf die Suche nach dem Mörder.

T.T., der Chef von B.A., hatte sich eine sehr schwere Knieverletzung zugezogen. Seine Ärztin gab ihm wenig Hoffnung, jemals wieder selbstständig Touren führen zu können. Sein Bein würde da nicht mehr mitmachen.

B.A. wollte mit dieser Diagnose an die Presse. Wohl wollte sie seinen Ruf ruinieren. T. wollte das nicht wahrhaben und räumte sie deshalb aus dem Weg. Man kam ihm auf die Schliche, weil seine Trachtenweste ein herzförmiges Loch aufwies. Verursacht durch die gleiche Batteriesäure, mit welcher auch das Seil manipuliert worden war. Nachdem er fast nicht mehr aus konnte, gestand er die Tat. T.T. wollte es nicht dulden, dass B.A. die Tour: “Die sieben Riesen“, welche er angeboten hatte, nun selbstständig auf eigene Faust organisieren wollte.

T.T. wurde festgenommen.

Wie meine Tante Tine und ihr Partner damit jetzt umgehen? Also damit, dass ihre (ehemaligen) Lampen die Tatwaffe eines Mörders waren? Gut. Denn der Käufer der Lampen arbeitet bei den Bavaria Filmstudios. Sie dienten dem Dreh einer Folge der Krimiserie “Die Rosenheim - Cops“. :)

© Kristina Fenninger 2020-02-26

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