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#1sommer1buch#leidenschaft

Thanks for the Dance

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Thanks for the Dance | story.one

Ich lese eine Geschichte. Ich kann sie nicht wirklich verstehen. Sie ist zu kompliziert geschrieben fĂŒr mich. Ein wenig aber verstehe ich doch. Trotzdem kapiere ich die Botschaft, welche der Autor mit seinem Text transportieren will, nicht wirklich. Dennoch aber hinterlĂ€sst die Geschichte ein positives GefĂŒhl in mir.

Ich liebe die spanische Sprache. Sie strotzt nur so von Leidenschaft und Lebensfreude. Gar nicht so schlecht habe ich sie beherrscht, vor einigen Jahren. Doch habe ich sie selten benutzt, und von meinen Kenntnissen ist nicht mehr viel ĂŒbrig geblieben. Trotzdem mag ich sie heute kein bisschen weniger als damals.

Bis heute habe ich keinen richtigen Tanzkurs besucht, und mein TaktgefĂŒhl ist nicht das beste. Ich verstehe nicht viel vom Tanzen. Doch kann ich nicht stillhalten, wenn ich ein Konzert besuche oder ein tolles Lied im Radio lĂ€uft. Und das ist auch gut so. Pure Lebensfreude verspĂŒre ich, wĂ€hrend ich mich bewege, auch wenn es mir an wirklichem Können fehlt.

Ich schlendere durch die Stadt. Immer wieder treffen meine Augen die eines fremden Menschen. WĂŒrden mir diese Menschen ihre Lebensgeschichten erzĂ€hlen, so wĂŒrde ich sie wahrscheinlich verstehen können. Meine Lebenserfahrungen haben mich zu einem empathischen und verstĂ€ndnisvollen Menschen werden lassen. Über andere urteilen will ich nicht, nicht mehr. Doch auch flĂŒchtige Begegnungen hinterlassen oft etwas Magisches in mir, und ich weiß oft nicht, warum. Pure, nicht begreifbare Magie eben.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sagte einst Sokrates.

„Thanks for the Dance“, heißt ein Album von Leonard Cohen. Es ist spĂ€t nachts, als ich es höre. Nicht alles kann ich verstehen, was er singt. Aber das macht auch gar nichts. Schwermut ist es, was seine tiefe Stimme in mir auslöst.

DemĂŒtig und dankbar schaue ich aus dem Fenster. Ich erblicke den Mond und die Sterne. Ich weiß, dass ich mich nicht auskenne mit Sternen. Trotzdem bringt dieser Moment meine Seele zum Tanzen.

In meinem Leben passieren immer wieder Dinge, die ich nicht verstehen kann.

In der Psychologie ist es vielleicht wichtig, dass man kapiert, warum und wieso. Doch um glĂŒcklich und beeindruckt zu sein, muss ich nicht immer alles verstehen.

„Thanks for the Dance.“ Ich freue mich, dass meine Seele immer wieder tanzen darf, auch wenn ich manchmal nicht verstehe, warum das gerade so ist. Pure Magie eben.

© Kristina Fenninger 2020-08-21

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