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Überheblich?

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Überheblich? | story.one

Es ging um Ressourcen an einem Seminarwochenende. Und um unsere Stärken. Wobei ja unsere Stärken zugleich ein Teil unserer Ressourcen sind.

Ein Teilnehmer jedenfalls ist ein leidenschaftlicher Hobbymaler und -fotograf. Er erzählte uns, dass er früher seine Werke immer voller Stolz und Freude hergezeigt hat. Von allen Seiten wurden sie bestaunt.

Bis er seine Kunst einmal einem entfernten Bekannten zeigte und dieser meinte, er solle nicht so angeben. K. war traurig und verunsichert. Ein Angeber, nein, das wollte er nun wirklich nicht sein. Seine Werke zeigte er ab diesem Zeitpunkt niemandem mehr. Außer es fragte ihn jemand direkt danach. Es war ihm schon bewusst, dass der Bekannte vielleicht einfach nur neidisch darauf war, aber trotzdem.

Das Schaffen machte ihm bei weitem nicht mehr so viel Spaß wie vorher. Auch erzählte er nur ungern und sehr wenigen Menschen von den kommenden Vernissagen, auf denen er ausstellen würde. Nicht dass auch die anderen noch denken, dass er überheblich ist. Aber so ganz wohl fühlte er sich damit nicht. Schließlich war und ist er ein offener Mensch und möchte seine Freude gerne mit anderen teilen.

Er fragte den Lehrgangsleiter, ob er nicht eine Idee hätte, wie er das Problem lösen könne. Und ja, die hatte er: „Weißt du“, sagte er: „Wenn du deine Kunst still und dunkel im Kämmerlein versteckst, dann hat niemand die Möglichkeit, deine Werke zu genießen. Und auch nicht, sich mit dir zu freuen. Somit bleibt dem Begutachter etwas Positives verwehrt.“ K. war erleichtert. Er bedankte sich und sagte, dass er seine Werke in Zukunft wieder begeistert herzeigen würde.

Einen Monat später ca. erschien mein Artikel in der Salzburger Straßenzeitung. Nichts so Großes, aber doch freute ich mich sehr darüber. Ich überlegte, wem aller ich ihn schicken sollte, und mir fielen die Worte unseres Dozenten wieder ein. So bekam ihn fast mein gesamter Freundes- und Bekanntenkreis. Die Reaktionen darauf waren alle sehr positiv. Eine Bekannte, bei der ich gezögert habe, ihn ihr zu schicken, freute sich sehr und bedankte sich, dass ich ihn mit ihr geteilt hatte. Ein Bekannter sagte, dass ich das Talent zum Schreiben habe und ermutigte mich, weiterzumachen.

Ein paar Tage später las ich die Straßenzeitung und entdeckte das Interview mit Hannes Steiner und somit story.one. Ich dachte an die positiven Rückmeldungen und traute mich, auf der Plattform zu schreiben. Vielleicht wäre das ohne das Feedback nicht passiert. Und mein erstes Büchlein „The Sunny Side Up“ und jetzt auch diese Sammlung an Geschichten wäre vielleicht nicht entstanden.

Sich zu zeigen, kann sich also durchaus lohnen. Überheblich und eingebildet ist man deswegen noch lange nicht.

© Kristina Fenninger 2019-08-20

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