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Von luftigen Höhen und hungrigen Ziegen

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Von luftigen Höhen und hungrigen Ziegen | story.one

Ja, ja, es war schon ein ausgesprochen freches Schaf, das kann man wirklich so sagen. Also wirklich, ganz ehrlich. Aber jetzt langsam und der Reihe nach.

Florian, ein fleißiger Zimmererlehrling, musste mit seinem Kollegen auf einen Gnadenhof fahren, um verschiedene Reparaturen vorzunehmen. Flos Aufgabe war es, den Balken am Dach einer Scheune zu reparieren. Er holte sich eine Leiter, stieg hinauf und arbeitete. Es dauerte nicht lange, dann kam ein Schaf angerannt. Die Scheune befand sich nämlich im Gehege der Schafe. Wohl wollte es schauen, was der junge Mann da so trieb. Mit Schwung stieß das Tier die Leiter um. „Haaayyy“, schrie Florian. „Was soll denn das?“ Gerade noch rechtzeitig, um einen gefährlichen Sturz zu verhindern, konnte er sich am Balken festhalten. Er hatte wirklich Glück gehabt, denn er befand sich nämlich in ungefähr fünf Metern Höhe. Er ist ja wirklich ein wilder Hund, der Flo, und hat so leicht vor nichts Angst, doch es war ihm bewusst, dass es zum Springen zu hoch war. Also schrie er um Hilfe. Als dann nach einer gefühlten Ewigkeit sich endlich mal sein Kollege daher bequemte, war er erleichtert. Aber zu früh gefreut. Nicht, dass ihr glaubt, G. hätte ihm gleich die Leiter hingestellt und ihm somit den Abstieg geebnet, nein, er ließ ihn einfach hängen. Noch dazu hatte er großen Spaß dabei, Florian zu beobachten, wie er am Balken hing. So ein gemeiner Kollege. Wie gut, dass der Lehrling nicht erst seit gestern arbeitete und somit schon einiges an Muskelmasse aufbauen konnte. Irgendwann erbarmte sich G. doch und stellte ihm die Leiter hin.

Wenn ihr jetzt denkt, dass das alles war, was Florian auf dem Gnadenhof erlebt hat, dann habt ihr falsch gedacht. Mehrere Male nämlich, ja, sie sind schon ein bisschen leichtsinnig die Handwerker, sonst hätte das nicht öfter als einmal passieren können, fraß eine Ziege Schrauben. Ja wirklich, viermal ist das passiert. Ob das immer das gleiche, wohl sehr hungrige Tier war? Ich weiß es nicht. Stellt euch das doch bitte mal vor, eine Schrauben fressende Ziege. Ich kann mir gut vorstellen, wie lustig das ausgesehen haben muss. Das Ende jedenfalls war nicht so lustig, denn das oder die Tier(e) musste(n) jedes mal operiert werden, um die Fremdkörper zu entfernen.

Doch überlebt haben diese Missgeschicke zum Glück alle. Florian und die Ziegen.

© Kristina Fenninger 2019-08-16

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