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#freundschaft

Was einmal gesagt werden möchte

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Was einmal gesagt werden möchte | story.one

Erst heute hab ich leider wieder einmal, wie mittlerweile schon öfter, von einem Menschen gehört, der in Zeiten der schweren Krankheit alleine gelassen wurde. Seine Freunde machten sich dann, als sie vielleicht gerade am dringendsten gebraucht worden wären, aus dem Staub. Das macht mich wirklich traurig.

Vielleicht kann man es den Freunden gar nicht übel nehmen. So mancher weiß wahrscheinlich nicht, wie er mit der Situation umgehen soll. Hat vielleicht Angst, dass er die Person mit Worten verletzt. Das kann vielleicht tatsächlich auch passieren, aber trotzdem. Es macht mich traurig, wenn ich höre, dass manche Personen so eine schwere Zeit ganz ohne Familie und Freunde durchstehen müssen.

Auch aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis haben sich zwei Menschen vertschüsst, als ich schwer krank war. Aber jetzt kommt das große Aber: Der Großteil meiner Freunde war allererste Klasse. In den vielen Wochen, die ich stationär auf der Station verbringen musste, bekam ich so viel Besuch, dass die Zeit für mich oft wie im Flug verging. Mein Freund Christoph besuchte mich trotz sehr viel Arbeit beinahe täglich. Nur wenn ich ihn bat, nicht zu kommen, blieb er daheim. Als es dann hieß, dass ich wohl bald nach Hause darf, brachte er das gesamte Haus so gut es eben ging auf Vordermann, damit ich mir keinen Keim holte.

Viele gute Gespräche haben wir geführt an meinem Krankenbett. Und als ich dann zwischen den Therapien heim durfte, machte(n) meine Familie und meine Freundinnen tolle Ausflüge mit mir. Auch kulinarisch wurde ich stets bestens versorgt. Das alles tat mir wahnsinnig gut.

Stundenlang spielte ich mit meiner Schwester oder meiner Lieblingscousine und Freundin Karten.

Plötzlich waren Menschen bei mir im Krankenhaus, mit denen ich bis dato noch gar nicht so eng war. Da war ich dann besonders überrascht, als diese Personen ankündigten, dass sie mich besuchen wollten.

Als ich die Diagnose bekam, war ich gerade in den Zielgeraden meiner Tagesmutterausbildung. Den ersten Teil hatte ich bereits erfolgreich absolviert. Der zweite Teil fehlte noch. Die Prüferin bot mir an, zu mir ins Krankenhaus zu kommen, um mir den mündlichen Teil abzunehmen.

Parallel zu diesem Kurs machte ich eine Montessori Ausbildung. Es war der letzte Kurs dieser Art, der stattfand. Der Prüfungstermin war für Juni anberaumt. Da es mir aber unmöglich war, daran teilzunehmen, fanden die Prüferinnen extra für mich einen Termin im Herbst. Somit konnte ich mein Diplom dann stolz in den Händen halten.

Viele bunte WhatsApp Nachrichten hab ich erhalten, die meinen Tag um so vieles besser machten.

Gerade, wenn ich höre, wie viele Menschen diese Zeit alleine zu bewältigen haben, dann macht es mich umso glücklicher, euch zu meiner Familie, zu meinen Freunden zählen zu können.

Es ist heute an der Zeit für mich, von ganzem Herzen Danke zu sagen. Vielen Dank, dass ihr alle so zu mir gehalten habt. Ich möchte, dass ihr wisst, dass auch ich immer für euch da bin, wenn ihr mich braucht.

© Kristina Fenninger 2019-11-19

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