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#kindheit#familie#krankheit

10. Schicksalsschlag

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10. Schicksalsschlag | story.one

Die Gendarmeriekollegen sahen im Keller Licht und entdeckten mich, wie ich in der WaschkĂŒche gerade den Betonfeinputz machte. Mein Gehilfe Josef ging einfach um zweiundzwanzig Uhr nach Hause. Er konnte nicht mehr. So musste ich alleine den Boden fertig machen. Meine Kollegen riefen: "He, Toni, wo bist, komm raus! Deine Frau schickt uns, weil es schon so spĂ€t ist und du nicht nach Hause gekommen bist." Sie staunten nur ĂŒber meine Ausdauer und baten mich als Freunde, wirklich bald nach Hause zu fahren.

Dann kam der Dachstuhl. Mit einem Zimmermann und zwei Gehilfen wurde das Dach eingedeckt. Das war kurz vor Weihnachten. Beide Stiegen habe ich selbst eingeschalt und betoniert.

Im Sommer 1960 konnten dann Elfriede mit unseren beiden Kindern, Andreas und Reinhard, in unser neues Zuhause einziehen. Das Haus war nur im Erdgeschoss verputzt. Zum Obergeschoss fĂŒhrte die rohe Betonstiege. Das Dachgeschoss war noch nicht ausgebaut. Doch es war ein wunderbares GefĂŒhl, im eigenen Haus zu sein. Wir alle waren glĂŒcklich.

Und siehe da. Auf einmal redete Elfriedes Vater bei den Leuten herum, was fĂŒr einen braven und fleißigen Schwiegersohn er hatte. Aber am Bau half er nicht eine Minute mit. Wir schafften es allein. Umso mehr waren wir stolz auf uns. Ich bekam von der Wohnbauförderung ein Wohnbaudarlehen um 30.000,-, sodass es sich gerade noch ausging, das Haus zu erhalten. Elfriede konnte mit unseren drei Kindern, Kurt kam 1962 noch hinzu, auch keine Heimarbeit mehr machen. So lastete die ganze Finanzierung und der weitere Hausausbau auf mir.

Nebenberuflich begann ich bei der Firma Rupatscher, BettwĂ€sche-Sparbriefe zu verkaufen. BettwĂ€schegarnituren mit eingestickten Initialen anzusparen, war damals eine beliebte Form der Aussteuer fĂŒr die Hochzeit. Dabei entdeckte ich mein kaufmĂ€nnisches Talent. Ich wurde zu einem der besten BettwĂ€schevertreter. Der Chef war sehr stolz auf mich. Mit dieser TĂ€tigkeit konnte ich ĂŒber die Jahre den weiteren Ausbau finanzieren und das ganze Haus, innen und außen, und die Garage, fertig machen. Ich war mit mir wirklich zufrieden. Elfriede und ich hatten jahrelang keinen Urlaub mehr gemacht. Wir waren nur fĂŒr die Familie da.

Als wir es schon gut hatten, schlug das Schicksal plötzlich hart zu. Meine Frau wurde geisteskrank. Ich war gerade auf einem Ausbildungskurs der Gendarmarie in Wien, als ich vom Gendarmerieposten Hard angerufen wurde, ich soll schnell heimkommen, sonst muss man meine Frau in die Nervenheilanstalt einliefern. Ich fuhr am nĂ€chsten Tag nach Hause. Elfriede war daheim und ihr Ausdruck war blass und verklĂ€rt. Meine Frau redete nur wenig mit mir, eher abwesend. Ich begrĂŒĂŸte sie liebevoll, aber sie reagierte zurĂŒckhaltend. Doch irgendwie freute sie sich, dass ich da war. Aber es kam schlimmer.

© Kurt Mikula 2019-08-30

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