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#hilfe#ausbildung#hunger

7. Gehaltsvorschuss mit Rausschmiss

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7. Gehaltsvorschuss mit Rausschmiss | story.one

Wir hungerten. Ich arbeitete gerade mal eine Woche bei der neuen Firma, als mein Bruder mich bat: "Du Toni, geh zum Chef und bitte ihn um einen Gehaltsvorschuss fĂŒr diese Woche." Das tat ich auch. Ich ging zum Chef und bat um einen Vorschuss. Der aber sagte: "Wieder so ein KĂ€rntner, der ein paar Tage arbeitet und schon Geld will." Er gab mir den Vorschuss, aber ich flog auch aus der Firma.

Meine Mutter kam nach drei Wochen nach Bregenz und wollte, dass ich mit ihr zurĂŒck nach KĂ€rnten fahre. Sie sah auch, wie schlecht es uns erging. "Der Thomas", sagte sie, "kommt schon durch. Aber du Toni bist nicht fĂŒr die Fremde. Komm bitte zurĂŒck." In diesen Stunden habe ich viel mitgemacht. Aber meine Mutter fuhr ohne mich wieder zurĂŒck nach KĂ€rnten. Am Bahnhof Bregenz winkte ich meiner Mutter nach und weinte bitterlich. "Lieber gehe ich zugrunde, als dass man mich zu Hause ohne Posten auslacht", waren meine Gedanken. Ich war sehr hart gegen mich selbst. Heute weiß ich, ich hĂ€tte auf meine Mutter hören sollen. Das Heimweh erdrĂŒckte mich fast. Ohne Thomas wĂ€re ich sicherlich nicht in Vorarlberg geblieben. Die nĂ€chsten drei Wochen haben wir weiter gehungert.

Dann bekam ich eine Stelle als Lagerhalter bei der Heizungsfirma "Mader" in Bregenz. Wir beide ernÀhrten uns tÀglich von einem halben Kilo Brot und einem halben Liter Milch. So konnten wir durchkommen.

Eines Tages sagte Thomas zu mir: "Du Toni, bei der Gendarmerie nehmen sie Leute auf. Weißt was, wir beide machen die AufnahmeprĂŒfung und in einem Jahr bitten wir um Versetzung nach KĂ€rnten. Daheim werden sie schauen, wenn wir in der Gendarmerie-Uniform daherkommen."

Wir machten die Gendarmerie-AufnahmeprĂŒfung und warteten auf die Einberufung. Es vergingen 2 Monate. Doch es rĂŒhrte sich nichts. Dann kam plötzlich mein Einberufungsbefehl und ich lief zu Thomas und fragte: "Hast du auch deine Einberufung zur Gendarmerie bekommen?" "Nein", sagte er, "das Warten war mir zu lang und so habe ich die Bewerbung zur Gendarmerie zurĂŒckgezogen." Dass mein Bruder dies tat, ohne mich davon zu informieren, tat mir sehr weh. Ich wollte mit ihm gemeinsam zur Gendarmerie. So blieb ich allein auf der Strecke. Thomas meinte, er werde bald nach Amerika auswandern und dort sein GlĂŒck versuchen. So wurde ich alleine Gendarm. Ich machte die 15-monatige Gendarmerie-Grundausbildung in Feldkirch und wurde danach am Gendarmerieposten Lustenau eingeteilt. Hier lernte ich die Liebe meines Lebens kennen.

Im Dienst kontrollierte ich einmal ein junges MĂ€dchen auf ihrem Moped. "Bitte den Ausweis - Alterskontrolle!" Da sie ihn nicht vorzeigen konnte, gab es eine Abmahnung. In dieser Straße habe ich mich dann öfters zum Dienst einteilen lassen. Ich hĂ€tte gehofft, das hĂŒbsche MĂ€dchen wiederzutreffen. Aber sie tauchte nie auf. Über Umwege habe ich sie doch noch kennengelernt. Elfriede, ich habe mich gleich in sie verliebt.

Bild: Toni wÀhrend der Gendarmerieausbildung

© Kurt Mikula 2019-08-30

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