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Verlorene Jugend

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Verlorene Jugend | story.one

Ich habe mir diese Woche hauptsächlich darüber Gedanken gemacht, wie ich es schaffen kann, dass die Kinder und Jugendlichen sich in der Schule wieder wohlfühlen, nachdem sie drei Monate nur zuhause gelernt haben. Schon in den ersten Stunden wir mir die Realität der Schülerinnen und Schüler schmerzlich bewusst. Eine Schülerin erzählt mir, dass sie nicht hier sein möchte. Ihr Vater hat eine Lungenkrankheit jeden Tag, wenn sie jetzt nachhause geht, hat sie Angst ihn anzustecken. Sie Angst ihn dadurch umzubringen. Genau so hat sie das gesagt. Ein vierzehnjähriges Mädchen hat das so formuliert, am Montagmorgen in der Schule. Mir wird plötzlich ganz mulmig. Meistens versuche ich nicht so viel darüber nachzudenken und mich verrückt zu machen. Es hilft mehr, wenn ich ruhig bin und versuche die Realität ein Stückchen aus dem Klassenzimmer zu schubsen.

Am nächsten Tag reden die älteren Schülerinnen und Schüler mit mir über die Zeit im Distanzlernen. Richtig, ich nicht mit ihnen, sondern sie mit mir. Sie haben viel zu erzählen und die Sorgen und Ängste stehen vielen ins Gesicht geschrieben. Eine Schülerin konnte kaum im Unterricht mitarbeiten, weil sie zuhause, in dem kleinen Dorf, in dem sie lebt, fast nie eine ausreichende Internetverbindung hat, um an den Video-Treffen teilzunehmen. Sie macht sich Sorgen, ob sie überhaupt noch mitkommen kann. Andere reden von Depression und vom Absturz. Eine sonst sehr gute Schülerin gibt zu, dass sie zuhause völlig die Kontrolle über ihren Alltag verloren hat. Sie ist überall in den Noten abgerutscht, weil sie sich so den ganzen Tag allein in ihrem Zimmer nicht motivieren konnte. Sie sagt, die Struktur hat ihr gefehlt.

Alle hoffe, dass sie in der Schule bleiben dürfen, aber alle befürchten, dass sie morgen schon wieder zuhause bleiben müssen. Befürchten, dass sie morgen wieder nicht mehr in die Schule dürfen.

Was mir sofort auffällt, ist die neue Nähe zwischen manchen Schülern. Natürlich ist alles im Schulalltag auf Distanz auf, aber die Jugendlichen haben gemerkt was sie an den Mitschülern haben und wie viel besser Schule mit ihnen zusammen ist. Sie können sich nicht mit Freunden treffen, keine Pyjamapartys machen, keine Partys feiern und nicht in jeden Tag in die Stadt gehen, um ihr Taschengeld auszugeben. Sie können sich in der Schule nicht verlieben, streiten und wieder versöhnen. Sie können den Ärger über Lehrer und Eltern nur online teilen und nicht in der Pause auf dem Schulhof über sie lästern.

Die Schülerinnen und Schüler, die jetzt Abitur machen haben, keine Kursfahrten gemacht, sie dürfen keine Mottowoche haben und ein Abiball ist mehr als unwahrscheinlich. Das heißt sie werden sich auf dem Abiball nicht betrinken können, dem Schwarm beichten, was man wirklich fühlt, bevor die Chance weg ist und sich mit dem neusten Tanzmove so richtig blamieren.

Es ist nicht nur das Lernen, das so schwerer fällt, sondern auch das Erwachsenwerden ohne die Jugend.

© LillyMay 2021-03-21

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