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#romantisch#truelove#lovelovelove

Das Salz in der Suppe

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Das Salz in der Suppe | story.one

Oktober. Es war kühl, nass und dementsprechend das ideale Wetter für eine Suppe. Wie jede Woche traf ich mich mit meinem besten Freund zum gemeinsamen Kochen. Statt Dienstag dieses Mal an einem Donnerstag. Merkwürdig. Es hätte besser in seinen Terminplan gepasst. Kaum hatte ich geklingelt, öffnete Sven aufgregt die Tür und sah die Flasche Rotwein in meiner Hand.

„Genial, Marc. Lass sie uns direkt aufmachen.“Gesagt, getan. Wir nahmen uns anschließend die Rosenkohlsuppe vor, als es erneut läutete und sich unsere Latina Verónica zu uns gesellte. Auch ihr wurde eingeschenkt und es wurde ausgelassender. Während Zwiebeln und Kohlröschen unter Svens Aufsicht dünsteten und anschließend garkochten, half ich unserer Freundin bei der Auswahl eines Kleides. Der Wein floss weiter und die Zeit rann dahin.

Nachdem die Suppe püriert wurde, kostete ich sie, um Sven das Abschmecken zu zeigen. Mein Gesicht verzog sich wie bei einem Biss in eine Zitrone. Absolut versalzen.

„Uhhhh. Da hast du es gut gemeint“, versuchte ich meinen Kumpel aufzumuntern, da er tobte und sich zigmal entschuldigte, das Essen versaut zu haben.

Weder zusätzliches Wasser, Sahne oder Mehlschwitze noch das Unterrühren von Eigelben konnten das Desaster retten.

Die Mägen knurrten und ich wollte fix zum Discounter um die Ecke. Demonstrativ wurde ich von beiden abgewürgt und zum Bestellen einer Pizza überredet. Da musste ich, obwohl ich nie Pizza bestelle, klein beigeben. Sven verließ den Raum, orderte alles und vergaß fast, seine Adresse anzugeben.

Die Wartezeit überbrückten wir mit einer weiteren Flasche Rotwein. War zwar unterhaltsam, doch mein Magen hing auf halb acht, was meine Laune prinzipiell nicht aufbessert.

„Haben die sich verfahren?“, gab ich entnervt von mir, weil das Zubereiten einer neuen Suppe schneller gegangen wäre. Wir hörten die Klingel und Sven brachte uns das ersehnte Mahl. Die eingepackte Pizza vor auf dem Tisch quasselte ich weiter. Um mich herum Stille. Die beiden aßen. Starrende Blicke.

“Willst du nicht endlich anfangen zu essen, Marc?”, wurde ich regelrecht aufgefordert.

Ich öffnete den zu leichten Karton und fand nichts, außer einer Ansammlung von Wörtern und Karten mit Herzen vor. Worte, die ich erst nach gefühlter Ewigkeit verstand. Alles in mir bebte, zitterte und eine Welle der Liebe überrollte mich. Ich blickte zu Sven, der unwissend tat und grinste. Es war ein Antrag meines Partners Timo, der nicht wie gedacht bei der Arbeit war, sondern in diesem Moment durch die Zimmertür kam.

Ihm zuliebe hatte Sven zwei Pakete Salz hinter meinem Rücken in die Suppe geworfen. Verónica diente als Ablenkung, damit ich unaufmerksam blieb. So konnte der „Pizzabote“ die Lieferung bringen.

„Ja“, antwortete ich weinend vor Glück.

© MarcStroot 2021-02-14

LGBTQ+

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