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Kopfdröhnen

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Kopfdröhnen | story.one

Der Druck im Nacken steigt, er setzt sich im Ohrenbereich fort. Ein Ton, den ich nicht benennen kann, schleicht sich in mein Gehör, wird lauter, dröhnt und bemächtigt sich meiner Schläfen. Auch der Druck meines Daumens auf die Triggerpunkte des Halses und beim Haaransatz hilft nicht mehr.

Mein Herzschlag pocht in den Schläfen. Am Hinterkopf kreist sich ein Schmerz ein und strömt über die gesamte Kopfhaut. Das Gefühl, erbrechen zu müssen, überlagert den Schmerz im Kopf, hebt den Druck für Sekunden auf, um in Blitzesschnelle meine Augen zu erfassen, die plötzlich nicht mehr ohne Mühe scharf stellen können.

Das Schließen hilft kurz, den Druck in den Augen zu mildern, umso heftiger ist der Druck im gesamten Kopf zu spüren. Er fühlt sich zum Bersten an.

Ich drücke mit den Handballen, dann mit den Knöcheln gegen die Schläfen, schleppe mich zum Fenster, schließe die Vorhänge. Das Licht ist viel zu intensiv. Ich lege mich ins Bett, ziehe die Decke über den Kopf, um kein Licht mehr zu ertragen, das noch durch die Vorhänge dringt.

Ich atme in den Schmerz. Vergebens. Es pocht, sticht, schmerzt höllisch. Speichel sammelt sich in meinem Mund, wieder der Brechreiz.

„Ich werde mir jetzt eine Schmerztablette holen, auch wenn ich weiß, dass dann mein Magen rebelliert ...!“ Ich setze mich langsam auf, jede nur kleinste Bewegung lässt die Frequenz des stechenden Schmerzes in die Höhe schnellen.

Ich halte kurz inne. Der Gedanke an den drohenden Magenschmerz schießt mir Tränen in die Augen. Ich sinke ins Bett zurück. Der Tränenfluss erleichtert kurz, wissend, dass das auch eine Täuschung sein kann. Vorsichtig testend hebe ich den Kopf.

„Ist er weg?“ Ich setze mich im Bett auf „Nein! Noch da!“

Ich lege mich wieder hin „Widme dich dem Schmerz, stelle dich ihm!“ Ich weiß nicht mehr, wer das zu mir gesagt hat oder ob ich es gelesen habe. Louise Hay fällt mir ein, die behauptet „Selbstbefriedigung hilft bei Migräne“. Kurz lache ich auf „in diesem Zustand?“ Vermutlich richtig, dass Migräne ein Spannungszustand ist. Mehr Frauen als Männer leiden darunter. Ein Spannungszustand, der sich über längere Zeit aufgebaut hat: „Ja! Wieder einmal zu wenige Pausen gemacht!“

Je länger ich atme, desto ruhiger wird der Schmerz. Ich taste nach dem Handy und lausche einer geführten Meditation.

Es ist dunkel, als ich aufwache. Nach einem Glas Wasser beschließe ich weiterzuschlafen. Am nächsten Tag ist die Migräne wie fortgeblasen.

Bild Felix Mitterer

© Margit Berger 2021-09-15

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