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GartenWeingarten.WeingartenGarten | story.one

Die Chardonnay-Lese ist eingebracht, die Helfer für die Riesling-Lese sind eingeteilt. Die nächste Arbeit draussen wird dann der Rebschnitt sein, gleich nach Weihnachten, freut sich mein Vater. Im Weinkeller wird’s ja bald wieder stürmisch zugehen. Erdäpfel zum Sturm, mancherorts Maroni, für mich ein Highlight vom Weingarten-Jahr.

Es wird von Jahr zu Jahr mühsamer, für die Alten wie auch für uns. Alles Handarbeit, schwere Butten, viele Geräte noch von den Großeltern. Auf den eng bepflanzten Terrassen ist der Geist der Vorfahren spürbar. Der Boden will bearbeitet werden, die Rebstöcke müssen gegen Krankheiten und Ungeziefer gespritzt werden. Die alten, gekrümmten Knochen halten mehr aus als die juvenilen.

Der Ausblick ins Tal ist traumhaft, die Augen verfolgen die Biegung des Flusses, ein Passagierschiff beim Anlegen. So eine Flusskreuzfahrt wär auch mal was. Unterbrochen werden die Gedanken vom mit vollen Gebinden vorbeituckernden Traktor. So mancher Weinhauer spricht mit jedem einzelnen seiner Weinstöcke.

Im Zwillingswesen GartenWeingarten kehrt kaum Ruhe ein, ein letztes Mal den Rasen mähen, das Hochbeet für die Winterruhe vorbereiten. Gellerts gelbe Butterbirnen warten, der Erntezeitpunkt für die Powidl-Zwetschken ist noch nicht erreicht. Die wunderschön blaugrüne Smaragdeidechse sitzt noch einmal auf der Wärme abstrahlenden Steinmauer. Riesensonnenblumen neigen die schweren Häupter. Ein letztes Lagerfeuer lässt alle an das bevorstehende Ausruhen der Natur denken.

Die Grasfläche ist zu groß, der Rasenmäher schon wieder kaputt. Hallo Werkstatt!! Die steilen Hänge zwischen den einzelnen Terrassen zu hoch, um die langarmigen, daumendicken Schlingpflanzenungeheuer zu bändigen. Früher wurden im März die dürren Flächen abgebrannt, heute erscheint beim ersten Rauchzeichen die Feuerwehr. Diese Form der Flurbereinigung ist inzwischen verboten.

Ein Kleinod, unser Rückzugsgebiet. Eine unzählbare Pflanzenvielfalt, von jeder Sorte habe ich ein Exemplar gepflanzt. Quittenbaum und Weichselbaum spenden inzwischen genug Schatten für uns alle im Liegestuhl. Für die Kinder ist das Zelten im Garten aufregend, auch die Gelsen regen auf. Die drei verschiedenen Sorten Ribisel werden vernascht, Hagebutten werden nach dem ersten Frost geerntet. Im Frühling Flieder, im Sommer Knoblauch und Erdäpfelernte. Hollundermarmelade und Melissensirup. Lavendel und Pfingstrosen. Kuhschelle und Brombeere, Weingartenpfirsich, Kren und Hopfen.

Man ist autark. Man hat zuwenig Zeit. Man ist so froh, in Zeiten wie diesen in die Natur zu können.

Und jetzt verkauf ich ihn.

© Margit Schinerl 2021-04-08

Gartengeflüster

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