skip to main content

#rainermariarilke

Rainer Maria Muttersöhnchen

  • 72
Rainer Maria Muttersöhnchen | story.one

Eine Freundin aus Salzburg fordert weitere Einblicke in Rilkes “frauliches” Leben. So recherchiere ich wieder und stoße dabei auf das Buch "Rilke und die Frauen” von Heimo Schwilk. Es fängt gleich atemberaubend an mit der Vermutung des Autors, dass wieder einmal die Mutter an allem schuld gewesen sein dürfte.

Rilke hat seiner Mutter Sophie 1134 Briefe geschrieben und Schwilk mutmaßt: …"der Dichter als Muttersohn oszillierend zwischen Anbetungs- und Fluchtgefühlen gegenüber allem Weiblichen…".

Großartig. "Im Netz” kann man all die Informationen abrufen, die einem sonst nie zugänglich wären, außer man würde ein Leben lang in aller Herren Länder forschen. Als fulltime Pensionistin fehlen mir dazu aber die zeitlichen und finanziellen Ressourcen.

Beim Googeln stelle ich mir natürlich die Frage: Darf ich das? Abschreiben von anderen? Ja, sagt Annalena Baerbock. Wenn ich die Quelle zitiere! Aber wenn ich diese ungeheuerlichen Details lese, saugt es mich eh so hinein ins Geschehen, dass ich zwischen den Blättern lebe und mir ist, als wär ich dabei (gewesen). Ich tauche ein in Rilke's Universum, treffe seine außerordentlichen Mädels, die offenbar alle richtige “Kerle” waren, “Eier” hatten. So sagt man heute auch. Gerade gestern im Fernsehen sagte das eine junge Lyrikerin über E.T.A. Hoffmann. Ja, es gibt sicher auch Männer, die über diese Ausstattung verfügen.

Die Frauen, die Rilkes “Weg säumten” in der einen oder anderen Art, sind jede für sich ein eigener schillernder Kosmos. Die Schauspielerin Eleonora Duse z.B., wegweisend für das moderne Theater. Google schreibt natürlich Düse. Ich merke das auch sehr gerne an, um zu zeigen, wie blöd “das Netz” andererseits ist und machen kann. Würde ich nicht wissen, dass die Duse Duse heißt, würde ich jetzt glatt auch Düse stehen lassen. Soviel zu den Gefahren des Netzes. Es heißt ja nicht umsonst auch DARK Net.

Dann lese ich bei Clara Henriette Westhoff-Rilke, die er offensichtlich geheiratet hat, dass sie mit 17 aus ihrem liberalen künstlerischen Elternhaus in München abgehauen ist und mit 21 in Paris “aufgeschlagen” hat. So sagt man heute, wenn man wo eintrifft.

In Worpswede, bei Bremen im Teufelsmoor gelegen, einer unglaublichen Künstlerkolonie, hat sie einmal mit Freundin Paula Becker (später Modersohn-Becker) die Kirchenglocken zur “Unzeit” geläutet, aber nicht, weil Feuer ausgebrochen war, sondern weil die beiden in Liebe zueinander entbrannt waren. Als Strafe mussten diese Rabenbratln Dekorationen für die kleine Kirche machen, Puttenköpfe & Blümchen, die heute noch zu besichtigen sind.

Clara wurde Malerin und Bildhauerin und wurde als einzige Frau auf der Akademie in Dresden aufgenommen, weil der Professor meinte, sie greife den Marmor an “wie ein Mann”.

1902 ging Rilke nach Paris, war eine Zeitlang Sekretär von Auguste Rodin. Verbrachte viel Zeit im Bett. Kein Geld zum Heizen. Jetzt muss ich googeln, wer ihn da beim Wärmespeichern unterstützt hat. Stay tuned!

© Margret Moser 2022-06-24

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.