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#mitabstandbestehilfe#corona#systemchangenotclimatechange

4 gewinnt

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4 gewinnt | story.one

Zu Beginn der Krise stand unser Alltag Kopf. Ein blitzgescheites, aufgewecktes Kindergartenkind und ein Kleinkind, das kletternd am Limit lebt, in einer Wohnung. Zwei Eltern, die unterschiedliche Strategien zur KrisenbewĂ€ltigung an den Tag legten. Finanzielle Talfahrt. Enge. Eine schmutzige Stadt. Und dann wurde noch der Wald und die Wiese vor unserer HaustĂŒr, der Schönbrunner Schlosspark, versperrt. Wir haben geschrien und gestritten. Diskutiert und geheult. Wir waren geschockt und irritiert, besorgt und verunsichert. Waren es Wochen oder Tage? Es war eine wilde Zeit, der es an Harmonie fehlte.

Die Krise hat mein junges Unternehmen in Standby Modus versetzt. Das Hamsterrad des wirtschaftlichen Erfolgs hörte auf sich zu drehen. Blieb einfach stehen. WÀre ich kinderlos, hÀtte ich sofort probiert, das Rad wieder zum Laufen zu bringen. Weiterarbeiten, weiter verdienen, Welt retten. Aber das bin ich nicht. Ich bin Mutter. Wir sind 4. Als das Hamsterrad zum Stehen kam, bin ich ausgestiegen und zu meiner Familie gegangen. Wie so viele andere #coronaeltern auch.

Dann haben wir gesprochen. Geatmet. Die Rollen neu verteilt. Die Kinder in ein gemeinsames Bett gelegt. Neue Regeln fĂŒrs Zusammenleben erfunden. Die Finanzen neu geregelt. Die RĂ€der kinderfit gemacht. Möbel renoviert. Pflanzen gesetzt. Gewand geflickt. Bilder gemalt. Die ruhige Stadt erkundet. Kaulquappen gefangen, LegotĂŒrme gebaut, Ostereier bemalt, gekocht, gelacht und telefoniert. Wir waren wilde HyĂ€nen, kleine Drachenbabys, Steinechsen und Superhelden mit beeindruckenden SuperkrĂ€ften. Wir haben ĂŒber den Virus gesprochen. Und ĂŒber unser Leben. Über unsere Zukunft und ĂŒber unsere TrĂ€ume. Wir haben uns die Haare geschnitten und gemeinsam die Wohnung geputzt. Wir haben wenig gearbeitet und uns viel um uns gekĂŒmmert. Um unsere Kinder. Und um unsere Beziehung.

Ich habe meine Angst vor einem leeren Bankkonto abgelegt und die FĂŒlle in meinem Leben spĂŒren gelernt. Unser KĂŒhlschrank war noch nie so voll, wie in den letzten Wochen. Voll mit frischen Bio-Lebensmitteln. Unsere Wohnung ist hell und gemĂŒtlich und wir können uns die Miete leisten. Heute, morgen und in 5 Jahren. Und wir brauchen sonst fast nichts. Wir haben schon alles und wenn etwas fehlt, borgen wir es uns bei den Nachbarn aus. Die kennen wir jetzt alle. Unsere Kinder lachen, leben und lernen jeden Tag mit so viel Freude. Wir sind gesund und leben gerne gemeinsam unter einem Dach. Wir nehmen RĂŒcksicht aufeinander und wir machen Fehler. Manchmal bringen wir uns zum Weinen. Dann entschuldigen wir uns.

Ich war in der ganzen Krise keinen einzigen Tag alleine. Ich war zu Viert. Ein Familien Boot-Camp, das FrĂŒchte getragen hat. Ich habe mich neu in meinen Partner verliebt. Und in meine Kinder. Und ich habe schĂ€tzen gelernt, was ich habe. Was wir haben. Denn wir haben alles, was wir brauchen, um ein gutes Leben zu fĂŒhren. Auch ohne Hamsterrad.

Die nÀchste Krise möge also kommen. Wir sind 4. Und 4 gewinnt.

© Maria Lackner 2020-05-22

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