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#sonntags#blinddate#firstdate

Bei Anruf: Kaffeedate in Tirol

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Bei Anruf: Kaffeedate in Tirol | story.one

Sonntagmorgen, 9 Uhr. Ich lag bereits seit einer Weile wach im Bett, obwohl es letzte Nacht spät geworden war. Das ewige Problem: Je später ich schlafen ging, desto früher wachte ich auf. Ich fühlte in mich hinein und stellte zufrieden fest, dass mich zumindest weder Kopfschmerzen noch Übelkeit plagten. Vergeblich versuchte ich, noch ein wenig zu schlafen. Ich lauschte den Regentropfen, die auf mein Fensterbrett prasselten. Noch konnte ich mich nicht aufraffen aufzustehen.

Plötzlich schrillte mein Telefon. Spätestens jetzt wäre ich ohnehin wach gewesen. Wer zum Teufel rief mich sonntags um 9 an? All meine Freunde wussten, dass ich um diese Zeit noch nicht vernehmungsfähig war. Vor dem ersten Kaffee war mit mir sowieso nichts anzufangen.

Ich starrte auf das Display und sah eine mir unbekannte Nummer. Ich hob ab. „Hallo?“, fragte ich zögerlich. „Hallo“, sagte eine nicht minder erstaunt klingende, männliche Stimme. „Ist der Markus da?“ „Welcher Markus?“, fragte ich leicht verwirrt. „Na der Markus. Ich wollt' ihn kurz was fragen wegen gestern Abend! Kann mich nicht mehr an alles erinnern.“Ich musste grinsen. Dem Dialekt nach kam er aus Tirol.„Hier gibt’s keinen Markus, ich glaube du hast dich verwählt“, versuchte ich ihm auf die Sprünge zu helfen. „Nein, das kann nicht sein“, protestierte der anonyme Tiroler. „Das ist doch die Nummer von Markus!“ „Ganz bestimmt nicht, tut mir leid“, wollte ich nun das Gespräch zu beenden. Es folgte ein Moment der Stille, in dem er zu überlegen schien, ob weiterer Protest erfolgsversprechend war. Er entschied sich dagegen. Ich wünschte ihm viel Glück und legte auf.

Keine zwei Minuten später läutete mein Handy erneut. Wieder dieselbe Nummer. Neugierig wie ich nun einmal bin, hob ich ab und wollte ihm schon sagen, dass ich immer noch nicht Markus wäre, als er mir sofort ins Wort fiel: „Ich hab schon verstanden, dass du nicht Markus bist. Aber wer bist denn du eigentlich? Du hast eine schöne Stimme!“ Für einen Moment war ich perplex. Ich nannte ihm meinen Namen. „Freut mich, dich kennenzulernen. Ich heiße Alex. Tut mir leid wegen vorhin. Letzte Nacht war ziemlich heftig.“ „Ja, das habe ich irgendwie herausgehört“, antwortete ich und fand das Gespräch mittlerweile ziemlich amüsant. „Wohnst du in Tirol?“, versuchte ich nun meinen Eindruck bestätigen zu lassen. „Ja, in Innsbruck, ich studiere hier. Und du? „In Wien“, antwortete ich. „Schade“ meinte er, und nach kurzem Zögern: „Wenn du näher wohnen würdest, hätt' ich dich jetzt gefragt, ob du mit mir auf einen Kaffee gehen magst“. „Das wäre ein ziemlich weiter Weg für einen Kaffee“, antwortete ich unbeholfen. „Leider. Aber wenn du mal in Tirol bist, meldest du dich bei mir, und dann trinken wir einen Kaffee, versprochen? Meine Nummer hast du ja jetzt!“, fügte er lachend hinzu. „Das mach ich auf jeden Fall!“ Wir verblieben so und legten auf.

Kurze Zeit später war ich tatsächlich in Tirol. Aber das ist eine andere Geschichte.

© Marianne Frank 2021-04-07

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