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#abenteuer#lappland#schweden

„It's your pool"- sagte der Kapitän

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„It's your pool"- sagte der Kapitän | story.one

Jetzt oder nie- ich muss mich entscheiden. Meine Jungs stehen in den knallorangen Anzügen vor mir. „Kannst du mir den Kragen schließen?" Die Hände sind, wie der Rest des Körpers, verpackt im dicken Neopren. Ob ich darin Platzangst bekomme? Wenn ich mich dumm anstelle, dann müssen die Matrosen mich aus dem Wasser hieven? Gestern habe ich mir Videos angesehen und versucht, mir die Technik des Hineingleitens und des Aussteigens am Schollenrand zu merken. In der Aufregung spüre ich nichts als Blackout.

Zwei knallorange Jungs waten fröhlich spaßend davon. „Bis gleich!", rufen sie mir zu. Die Matrosin steht vor mir und hält mir die Beinöffnungen unter die Nase. Sie zwinkert mir aufmunternd zu. Ich bin nicht die einzige, die zögert. Der Kapitän und ein Matrose haben die Eisschollen außerhalb des Boots, quasi den Poolrand, mit einer Gangway stabilisiert. Wenn das mal alles gut geht. In mir kämpfen Vernunft gegen Abenteuerlust, Angst gegen Risikobereitschaft.

Gerade als die Matrosin den Anzug weglegen will gebe ich ihr ein Zeichen und ziehe mich bis auf die Fleecekleidung aus. Der Anzug ist schwer, aber nicht so eng, wie ich befürchtet hatte. Nachdem meine Arme verstaut sind bin ich handlungsunfähig, zumindest was die Feinmotorik betrifft. Der Kragen wird geschlossen, das Überlebenstraining beginnt. Sicherer als gedacht bewege ich mich auf die Gangway und setze mich am Rand des Eispools nieder. Dann strecke ich die Füße aus. Aber was ist das?

Die Füße haben Auftrieb und gehen erst unter, als ich mit Muskelkraft nachhelfe. Langsam gleite ich in das eiskalte Wasser. Ich spüre für einen kurzen Augenblick, wie einige Tröpfchen davon durch den Anzug an meinen Rücken dringen und fröstele. Nur einen einzigen Moment, denn plötzlich wird alles leicht. So leicht. Ich lasse mich fallen.

Mit dem Blick zum weißbedeckten Himmel treibe ich im Eispool zwischen den Schollen, die sich vom Rand gelöst haben und die ich berühren kann. Der Matrose steht an der Seite und schiebt die Eisschollen immer wieder auseinander. Voller Genuss strahlen wir drei uns an. Was ist das für ein Erlebnis! So unglaublich cool, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Anzüge wärmen uns, sogar Musik sorgt für fröhliche Stimmung. Alle Bedenken fallen von mir ab wie tonnenschwere Steine, die im Meer versinken. Fort sind sie. Eine unglaubliche Leichtigkeit erfüllt jede Faser meines Körpers. In Zeitlupe drehen wir uns so zueinander, dass wir unsere Hände aneinander halten können und die Matrosin hält es mit der Kamera fest. Ein Moment für die Ewigkeit. Unvergesslich!

Ein Pfiff holt uns zurück. Wir sind die letzten, die aus dem Wasser steigen. Die Bilder vom Video sind wieder präsent und ich schaffe es ganz alleine, auf das Eis zu klettern. Die Jungs beenden das Erlebnis mit einer Schneeballschlacht auf dem Meer. Dann stellen sie sich Hand an Hand auf's Eis, zwei knallorange Männchen, und fallen auf ihr eigenes Kommando langsam auf den Rücken.

In der Kajüte duftet warmer Tee.

© Mariefu 2021-02-23

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