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ZIEMLICH BESCHISSENES DATE

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ZIEMLICH BESCHISSENES DATE | story.one

„Aus diesem Typen werde ich nicht schlau!“, lese ich. Eine Nachricht von Alex, der nach einer kurzen Verschnaufpause wieder beim Onlinedating aktiv ist. Ich bleibe stehen und tue so, als würde ich meine Beine dehnen. Das machen ja alle so, wenn sie beim Laufen stehenbleiben. Ich habe keine Ahnung, was ich da eigentlich mache. Ich wippe hin und her. Es sieht bestimmt professionell aus.

„Meine SMS war vom Montag letzter Woche. Neun Tage später die Antwort. Verstehst du das?“, kommt noch von ihm. „Was jetzt? Ja, nein, vielleicht, hat Angst?“, schreibe ich zurück. „Immer, wenn ich glaube, dass es das war, taucht er wieder auf. Der ist wie ein Maulwurf“, antwortet Alex.

Ich möchte meine Dehnposition ändern und einen Ausfallschritt machen. Das sehe ich auch immer wieder, wenn sportliche Menschen im Stehen sportlich sein wollen. Und genau in diesem Moment, als ich nach vorne steige, trete ich in einen Hundehaufen. Shit, wie ist denn das jetzt passiert? Rundherum nur Wiese und genau da, wo ich hinsteige, liegt ein einsamer Kackhaufen? Das ekelt mich jetzt so richtig an! Ich streife die schmutzige Sohle ab. Wie das stinkt! Dabei denke ich an ein echt kurioses Date. Einerseits war sowohl der Ort kurios, andererseits aber auch das, was dort passierte. Wir trafen uns nämlich zum ersten Date bei Ikea. Er wollte einige Dinge für seine neue Wohnung besorgen. Das Rendezvous fand außerdem zu dritt statt, weil auch sein Hund mit dabei war. Ein eigentlich süßer Beagle, der aber ständig an der Leine zog. So hetzten wir drei im Laufschritt durch das Möbelhaus und waren gestresst. Der Hund rannte, hüpfte, wedelte und sein Herrl schmiss währenddessen alles Mögliche in den Einkaufswagen. Teppich, Handtücher, Besteck. Alles, was er halt nebenbei so erwischte. Der Hund machte keine Pause und jagte uns von Abteilung zu Abteilung. Plötzlich verringerte das Kerlchen sein Tempo. Ich atmete erleichtert auf und durch. Aber nur solange, bis ich im nächsten Moment schon das Malheur sah: Oh, nein, der Hund scheißt in den halben Ikea!!! Er blieb nämlich nicht etwa stehen, um an einem Fleck seine Notdurft zu verrichten, sondern erledigte das im Gehen zwischen Betten und Sofas. Er zog eine meterlange Spur aus Durchfall hinter sich her. Ekelhaft! Und peinlich! Ich wusste gar nicht so recht, wie ich mich verhalten soll. Aufwischen? No way! Weitergehen und so tun, als würde ich nicht dazugehören? Wahrscheinlicher! Fakt ist, dass ich einfach ein paar Meter abseits auf einer Bank wartete, bis das Herrl die Situation bereinigt hatte.

Und zum Abschluss fragte er mich tatsächlich auch noch, ob die beiden mich mit dem Auto nach Hause bringen dürften. Da es aber voll mit Wohnungszeug war und ich somit den darmkranken Hund auf den Schoß nehmen hätte müssen, lehnte ich dankend ab.

„Scheiße!“, schreibe ich an Alex, nachdem ich die Reste des Hundedrecks mit einem Stöckchen aus meinem Laufschuh gekratzt habe. Im wahrsten Sinne des Wortes natürlich, aber davon hat er ja keine Ahnung.

© Marina B. Jung 2021-10-13

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