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In den Schnee mit dir Tristesse

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In den Schnee mit dir Tristesse | story.one

Den Schlaf suchend verlässt du die Wohnung. Bedächtig betrittst du den geweißten Weg. Blau leuchtet die Nacht. Du vergisst etwas vom alten Groll. Styroporknarzende Geräusche umringen deine Schritte und kehrt das Gegebene um. Im Grazer ORF Park hängen die weiß gepuderten Äste in alle Richtungen, auch in deine. Die kleine Allee sieht gefrorener und mächtiger aus, als du sie kennst. Der schneebedeckte Boden leuchtet dich und den Himmel an und schafft damit eine Anhänglichkeit ans Leben. Wie die meisten Kinder hast du Weihnachten geliebt. Mit den Verlusten von Menschen, die diesen Tag für dich ausmachten, ersetzte Tristesse die dir fehlenden Gefühle. Strohsterne verkamen zu wehmütigen Insignien. Der Vergänglichkeitscharakter, der diesen vom Himmel fallenden Sternen obliegt, stellt dein Verhalten in Frage. Vielleicht ist es das Serotonin, das langsam weniger abgebaut wird, oder der Erinnerungsspeicher, der sich am kurvigen Lebensweg an diesen speziellen Zeiten besonders nah ist. Gegenwärtiges Weihnachten berührt auch immer die vergangenen. Die letzten Wochen waren hart. Die Depression hat dich zusammengeschlagen, das einzig weiße waren die Medikamente, die du morgens schluckst und auf deren Wirkung du wartest. Zweifellos, es sind Schritte nötig. Und an den Spuren hinter dir erkennst du, dass du welche gegangen bist. Da hier zu stehen, bedeutet, noch an etwas zu glauben. Und mittendrin existiert zurzeit ein Funken Leere. Doch auch die Erinnerung deiner Sinne. Deine Mutter vermochte, die ganze Wohnung mit Keksgeruch zu wärmen. Leidenschaftlich tanzte sie in der Küche von Blech zu Blech. Ihre Butterstangerl würdest du dir heute noch intravenös verabreichen. Manchmal schobst du Dienst im Pflegeheim. Bist dem Tag aus dem Weg gegangen, nur um in diese langlebigen Augen zu sehen und zu sagen: “Frohe Weihnachten Anni”. Und sie dankte es dir mit dem Spiegellächeln eines Kindes. Ein paar Mal hast du dich entschieden, auf Partytour zu gehen. Es endete immer in der Abgeschiedenheit von dieser zivilisierten Welt, in den Armen der Tristesse, die dich so sehr in die Losigkeiten drängte. Weihnachtslosigkeit zum Beispiel. In dir hat sich eine Art Gewöhnung vollzogen und du kamst damit gut durch. Nun nimmst du deinen Stimmungsaufheller und deine Schritte sind eine Narbe am Weg. Unberührt der Park. Die Reinheit wendet sich an dein ruheloses Herz. Ein paar Losigkeiten schmelzen im Kopf und die Stunden berühren sich. Du befindest dich in der Küche. Riechst die Kekse. Du könntest alles hören, aber du hörst das Glöckchen, das euch erlaubt rein zu gehen. Das Christkind ist ein bärtiger Mann, es ist euer Vater, der den Baum aufputzte, um in die erleuchtenden Augen seiner Kinder zu sehen. Du könntest überall stehen, doch stehst du gerade mit deinen Geschwistern vor dem Christbaum, die Geschenke nach euren Namen absuchend. Du findest dich wieder, wie du nachtumwandernd in den strahlenden Park blickst. Bald ist wieder Weihnachten.

© Mario Schemmerl 2021-12-09

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