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#busreisen#kroatien

Rijeka (Flixbus)

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Rijeka (Flixbus) | story.one

“Das kann doch nicht wahr sein! Wo ist der Bus hingekommen?” Ich stehe auf einem kleinen Parkplatz an einer Tankstelle, gleich hinter der slowenischen Grenze. Auf dem Weg nach Kroatien. Ein Kurzurlaub, spontan entschieden. “Fünf Minuten Zeit!” hatten die Fahrer gesagt. Ich war ausgestiegen, hatte die lange Warteschlange vor der Toilette gesehen, umgedreht - und kein Bus mehr zu sehen! Ich spüre mein Herz heftig klopfen, schwitze. Laufe über den Parkplatz, von einer Ecke zur anderen. Sehe die alte Frau, die vor mir gesessen ist, ebenso verzweifelt nach dem Bus Ausschau haltend. Zwei Burschen, auch sie aus dem Flixbus. Und eine junge Frau, eine Studentin aus Serbien, wie sich herausstellt. Sie versucht, bei der Flixbus-Hotline durchzukommen. Sie hat - wie wir alle - das Gepäck im Bus gelassen. Ich habe Geld und Pass in meiner Hüfttasche. Und meinen Schal. Die alte Dame hat nichts bei sich. In der Aufregung kann sie sich nicht an die Telefonnummer ihres Sohnes erinnern. Ich kaufe für alle an der Tankstelle Prodajalec Gestrandeten Wasser im Shop. Der Mann an der Kassa sagt, “sowas” komme häufig vor. Dass der Flixbus Passagiere zurücklasse, einfach weiterfahre.

Es dauert mehr als 20 Minuten, bis sich die Hotline meldet. Es heißt, der Bus würde nicht zurückkommen. Eine Stunde später, der Bus sei nicht früher als angekündigt weitergefahren, das zeige die Computerauswertung. Wir seien selber Schuld. Der nächste Flixbus käme um "ciraa" 16 Uhr zur Tankstelle, der Fahrer sei informiert, würde aber nicht nach uns Ausschau halten. Unser im Bus verbliebenes Gepäck könne nirgendwo deponiert werden, wir müssten das Online-Fundbüro-Formular auf der Flixbus-Hompage ausfüllen.

Der Akku meines Handys ist fast leer. Es ist Mittag. Die Burschen sind per Autostopp weitergefahren. Auch die alte Frau ist verschwunden. Offenbar hat auch sie jemand mitgenommen. Die Studentin versucht vergeblich, die Polizei zu überreden, den Bus auf der Strecke zu stoppen. Es gelingt ihr aber herauszufinden, wo ich mein Gepäck abholen könne - in Crikvenica. Ich solle per Autostopp weiter, rät sie mir! Ich! Frau. 50 plus! Autostopp! Noch nie gemacht. Schon gar nicht allein.

Am Horizont dunkle Wolken. Ich halte Ausschau nach Fahrzeugen mit deutschem oder österreichischem Kennzeichen. Niemand fährt nach Riejka. Ein deutsches Ehepaar muss nach Zagreb. Beruflich. Ich darf einsteigen. Über Zagreb setzt ein heftiges Gewitter ein. Das Paar fährt durch die ganze Stadt, um mich am Busbahnhof abzusetzen. “Das ist doch selbstverständlich”, sagt er, als ich mich bedanke. Und sie wünscht mir eine gute Weiterreise.

Eine Stunde später sitze ich in einem öffentlichen Bus. Am Busbahnhof in Crikvenica wartet mein vollgepackter Rucksack tatsächlich auf mich. Meine Jacke ist da, auch mein Tagebuch. Nur meine heißgeliebte Füllfeder ist weg. Und meine Angst, dass in dem Urlaub noch viel schiefgehen kann. Eine halbe Stunde später bin ich in Riejka. Am Meer.

© MaschataDiop 2021-03-08

Reisen

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