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Eine Liebeserklärung & ein väterlicher Marschbefehl

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Eine Liebeserklärung & ein väterlicher Marschbefehl | story.one

„Das ist ein Strohfeuer, verbrennt schnell. Wir haben da heroben immer wieder versuchte Palastrevolutionen. André Heller hat Ende der 70er den Freistaat Artopia ausgerufen, mit eigenem Passsystem und Fernsehsender. Aber er kam nie wieder“, meinte eine ältere Dame, als wir uns vor dem Alpbacher Kongresszentrum begegneten. Sie hatte von unserer „Liebeserklärung“ gehört.

Wir schrieben August 1997 und ich war als Vorsitzender der ÖH Innsbruck zum zweiten Mal beim „Forum“. Es war Liebe auf die erste Begegnung hin: inmitten von Bergen, der Horizont so weit. Intellektuelle Sommerfrische, neue Welten, spannende Menschen. Doch wir waren als „junge Alpbacher“ auch genervt von langatmigen Podien und selbstgefälligen, älteren Männern. Wir sehnten uns nach Widerspruch, Buntheit, modernen Formaten des Austauschs.

„Alpbach, eine Idee kommt in die Jahre“, formulierte eine Zeitung. Wir Jungen rangen darum, unseren Protest vorzutragen. Am 23. August luden wir zur „Liebeserklärung an die Alpbacher Geistesrepublik“. Unsere Vision: „Wir wünschen uns mehr Mut zur Veränderung, mehr Sensibilität in der Auseinandersetzung, mehr Zuhören statt Inszenieren, mehr Kreativität statt Ignoranz, mehr Bodenhaftung statt Überheblichkeit, mehr Sein als Schein.“ Voller Saal und in der ersten Reihe saßen der Präsident und Vizepräsident des Forums. Damit war unsere Revolution offiziell. Und in der Pflicht.

Erhard Busek gefiel der Aufstand: „Eine Liebeserklärung ist großartig. Immer heftig, aber in der Essenz positiv“, meinte er und sicherte uns seine Unterstützung zu. Kurz danach wurde er Präsident des Forums. Mit seiner Hilfe gründeten wir nach der Initiativgruppe Alpbach Innsbruck weitere Vereine in Brüssel und Wien. Dann wurde es „viral“. Heute gibt es über 30 Clubs – von London bis Armenien –, die den Spirit of Alpbach ganzjährig kultivieren.

Erhard holte mich in den neuen Leitungsausschuss und übers gemeinsame Arbeiten wuchsen wir zusammen. 2009 lud er mich ein, als “Junger” bei seinem Buch „Was haben wir falsch gemacht? Eine Generation nimmt Stellung“ mitzuschreiben. Dabei entdeckte ich die Liebe zur Autorenschaft und präsentierte ebenfalls im K&S-Verlag 2011 „Warum wir Politikern nicht trauen … und was sie tun müss(t)en, damit sich das ändert“. Erhard schickte mir eine Email: „Ist eh gscheit, was du schreibst. Aber noch wichtiger wäre, es zu tun.“ Ich antwortete: „Lieber Erhard, verstehe. Ich werde tun, wenn die Zeit reif ist. Dann musst du mich aber unterstützen.“ „Das werde ich …“, kam retour.

Den „väterlichen“ Marschbefehl nahm ich ernst. Leuchtfeuer statt Strohfeuer. Wenige Monate später befanden wir uns in der Gründung einer BürgerInnenbewegung mit dem Namen „Das Neue Österreich“. Erhard hielt Wort und unterstützte mich immer wieder mit Inputs und Empfehlungen sowie mit seiner Stimme bei den NR-Wahlen 2013.

Erscheint in: Denken. Aufrütteln. Gestalten. Erinnerungen an Erhard Busek, story.one 2022.

© Matthias Strolz 2022-08-11

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