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#sucht#rauchenaufhären

Aller Guten Dinge sind 3

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Aller Guten Dinge sind 3 | story.one

Heute ist der 5. Tag. Der 5. Tag vom 3. Versuch. Der 5. Tag von „ab jetzt für immer“, hoffentlich. Am Ende diesen Tags hab ich mir 39 Euro gespart. Ich hab´s mir ausgerechnet, obwohl ich Mathe ja eigentlich nicht so mag. Im Monat spare ich ab jetzt etwa 237 Euro. Im Jahr dann 2847 Euro. Irgendwie ganz schön viel Geld, was ich mir ab jetzt sparen werde. Ja, es ist jetzt der 3. Versuch, das Rauchen aufzugeben. Das erste Mal, vor fast 8 Jahren, hab ich's mit Nikotinkaugummi und Pflasterl versucht. Und nach 2 Monaten wieder geraucht. Das 2. Mal hab ich's mit den sauteuren Pillen versucht, die man nur auf Rezept bekommt, von denen dir viele Ärzte aber wegen der Nebenwirkungen abraten. Das war vor etwa 5 Jahren. Da hab ich tatsächlich aufgehört. Bis ich halt wieder angefangen hab. Nach fast 1 ½ Jahren. Weil: EINE Zigarette tut ja nix.Ich rauche viel. Oft. Ständig eigentlich. Muss ja auch, sonst komm ich ja nicht auf meine 30 Zigaretten pro Tag. Muss ja irgendwann auch Arbeiten und Schlafen und Essen und Klo gehen. Und zwischendurch rauche ich halt immer. Wobei, der Schlaf wird auch gerne mal für eine nächtliche Zigarette unterbrochen. Irgendwann um 3 Uhr morgens. Am meisten rauche ich morgens. Bis ich mich ins Auto gesetzt hab und mich auf den Weg zum 1. Patienten mache, hab ich mindestens 4, meistens schon 5 Zigaretten geraucht, begleitet von klangvollem Husten von ganz tief unten. Meine Nachbarn waren glaub ich schon ein bisserl genervt. Ich rauche eigentlich gern. Aber seit einigen Monaten nervt mich die Raucherei. Es nervt mich, dass ich Panik bekomm, wenn ich die vorletzte Schachtel hervorkrame. Wo komm ich heute bei einer Trafik vorbei, um mein Depot aufzufüllen? STRESS!Auch der Geruch störte mich plötzlich. Bei so vielen gerauchten Zigaretten hilft Hände waschen nicht mehr viel. Ich hatte ständig das Gefühl, meine Finger stinken nach Zigarettenrauch. Meine Klamotten auch, und die Winterjacke, die mich im Winter am Balkon wärmt, auch. Von einen Tag auf den anderen bekam ich ein extremes Ekelgefühl dazu. Es grauste mich richtig. Aber, mit einer soliden 9 beim Fagerström-Test kannst halt auch nicht einfach so aufhören. Aus den vorangegangen Versuchen weiß ich: Das geht nicht. Und schon gar nicht einfach. Nach eingehender Recherche und Nachfrage bei meiner BFF, die das Rauchen vor 3 Jahren durch diese Methode gelassen hat, beschloss ich: Das mach ich. Jetzt. Am Freitag war ich in einem Shop für E-Zigaretten. Am Sonntag hab ich die letzte Zigarette geraucht. Und ich muss sagen: Es geht eigentlich. Ich bin zwar grantig, hungrig, grantig, unruhig, grantig, und schlafen kann ich auch nicht. Aber immerhin sitze ich diesmal – im Gegensatz zu den ersten beiden Versuchen – nicht am Boden, heul mir die Augen aus dem Kopf und fühl mich, als wäre gerade meine beste Freundin (=Zigarette) gestorben. Möglicherweise wird’s diesmal ja was. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich 3.

Foto: Unsplash, Adam Tinworth

© Melly Schaffenrath 2021-02-26

Endlich rauchfrei

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