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#workshop#music#wachstum

Die Workshops

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Die Workshops | story.one

Nachdem meine überzeugende Premiere als Workshopleiterin mir die Einladung, regelmäßig ein Clown-Training anzuleiten eingebracht hatte, gab ich einmal pro Woche einen offenen Clown-Workshop in der La Experimental. Die Gruppe war wechselnd, manchmal kamen dreißig Menschen, manchmal nur drei.

Platz war mehr als genug vorhanden. Das Haus hatte im obersten Stockwerk einen Loft-artigen Raum von über 200 m² Fläche mit einer Bar und einer Bühne anzubieten. Es war ziemlich unvorhersehbar, wie viele Menschen kommen würden, wodurch ich gezwungen war, zu improvisieren. Deshalb war ich ja hier. Trotzdem stellte das eine gewisse Herausforderung dar, denn ich konnte mich nie darauf einstellen, womit ich arbeiten würde. Auch gab es kaum Teilnehmer:innen, die wirklich regelmäßig kamen.

Am Anfang lief alles glatt, ich hatte eine Vielzahl an Übungen, Spielen und Improvisationsanleitungen anzubieten. Oft verlegte ich den Workshop nach dem Aufwärmen nach draußen und wir gingen auf die Straße, um als Gruppe im öffentlichen Raum zu spielen. Nach einfachen jedoch effektiven improvisatorischen Regeln. Das artete manchmal in ein Chaos aus, doch oft funktionierte es ausgezeichnet und kam gut bei den Menschen auf der Straße an.

Bald hatte sich das Clown-Training in der Experimental herumgesprochen und eine Zeit lang bildete sich etwas wie eine konstante Gruppe. Doch nach sechs Monaten war ich tatsächlich ratlos überfordert. Es fehlte mir ein Ziel, auf das ich hinaus wollte. Es fehlte mir an Erfahrung. Das wurde in den Workshops merklich, wusste ich doch nicht mehr, was noch anbieten, um den Raum zu halten. Meine Überforderung war schließlich spürbar und das Training schlief ein.

Doch aus meiner Initiative war etwas Neues entstanden: Die belebte Atmosphäre gemeinsamen Schaffens hatte die Gruppe inspiriert. Wir begannen, jeden Freitag eine offene Jamsession zu organisieren. Was immer wieder einmal spontan stattgefunden hatte, wurde zu einem regelmäßigen Programmpunkt. Wir richteten die Bühnentechnik ein und gegen eine freie Spende konnten an unserer Bar Getränke und Essen erworben werden. Das Haus wurde beinahe nur von Jazzmusiker:innen belebt, die eine verspielte, kreative Stimmung beim Musizieren erzeugten. Es war die freie Atmosphäre, die diese Jamsessions zum vollen Erfolg machte. Barcelona ist eine Stadt mit einer großen Jazz-Szene. Doch die meisten Sessions folgten einem strengen Schema, bei dem hauptsächlich Standards gespielt werden. Da war kein Raum, sich auszuprobieren. Fehler wurden nicht verziehen.

Auf den Jamsessions in der Experimental durfte alles passieren. Das sprach sich schnell herum und an den Freitagen wurde das Haus immer voller und belebter. Wir hatten regelmäßig großartige Musiker:innen zu Gast, die die Freiheit genossen. Bald wurden unsere Sessions interdisziplinär. So begann das kulturelle Leben in der La Experimental.

© Miriam Strasser 2021-07-15

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