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Jede*r kann tanzen, Teil 2

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Jede*r kann tanzen, Teil 2 | story.one

Auch seinem Vater erstattete der Lehrer Bericht: „Herr Emmerich, ich muss schon sagen, SO geht das nicht! Ihr Sohn folgt kaum meinem Unterricht, sondern zappelt, springt und summt regelmäßig. Es tut mir leid aber in diesem Fall, da ist das Unterrichten eine Qual… So kann es nicht weitergehen, der Lernfortschritt ihres Sohnes ist besorgniserregend!“

In der Ballettschule ja da durfte, Eduard Edwin tanzen zwar, doch auch dort schien sein Bewegen mehr Ärger als Wohlwollen zu erregen… Das begann zum Beispiel schon bei der Tanzaufmachung, sprich bei seinemKostüm: Eduard Edwin trug gerne Tütü und band sich Schleifen ins Haar, denn das fand er schön. Klassischerweise jedoch wird dies nur bei den Ballettmädchen gerne gesehen. Die Ballettjungen haben in Tanzleggings und ganz bestimmt ohne Schleifen zum Training zu gehen.

Zu allem Überfluss gab es auch hier jede Menge Zahlen und Regeln denn Ballett folgt einem strengen ästhetischen System:

in der 1. Position GENAU SO stehen,

in der 2. Position in die Kniebeuge gehen,

in der 3. Position…

Da war es meist schon um ihn geschehen, er begann wieder Musik zu hören und Farben zu sehen - die Zahl 3 klang einfach viel zu schön!

In Eduard Edwins Welt machte das Ballettsystem einfach keinen Sinn, die Zahlen waren nicht so steif, streng und forderten keine exakte Disziplin. Es schien ihm viel mehr, als wollten sie mit ihm spielen...

Doch die strenge Svetlana Jekaterina Iwanowitsch duldete keine Improvisation in ihrem Unterricht: „NIET, NIET, NIET! Was machst du da? SO GEHT DAS NICHT! Lass dieses chaotische Gezappel, das ist ja widerlich! Setz dich lieber hin, hier hinten an den Rand, um ganz still und leise den Mädchen zuzusehen! Siehst du wohl? Die machen das richtig schön! Sie tanzen mit Technik, Leichtigkeit und Disziplin…“

Also musste Eduard Edwin auch in der Ballettschule meistens still sitzen, was ihm nicht wirklich gelang, denn die Ästhetik dieses Tanzes fand bei ihm durchaus Anklang. Er begann meistens Schmetterlinge zu sehen, wie sie wirbelnd und flatternd bunte Spiralen in der Luft drehten… Dieses Bild war so stark, es machte ihm Lust sich zu bewegen - sein Körper vibrierte von den Ohrenspitzen bis in die Zehen und schon begann er sich wieder zu erheben und wirbelnd seine Runden durch den Ballettsaal zu drehen…

Doch seine Lehrerin konnte das nicht verstehen: „STOPP! AUS! ES REICHT! HINAUS! FORT MIT DIR! DU UNTALENTIERTES TIER! EINE SCHANDE BIST DU! ICH HABE GENUG!“ Eduard Edwin wurde davon gejagt, er kam zu Hause an, traurig und verzagt.

Seine Eltern erwarteten ihn schon, böse und ernst, denn Frau Iwanowitsch beschwerte sich eben erst bei seiner Mutter über das Telefon…

„Was musste ich hören, mein Sohn? Aus der Ballettschule bist du geflogen? Du hast die Regeln gebrochen, der Lehrerin nicht gehorcht und die Ästhetik der hohen Kunst verhöhnt! Was ist nur los mit dir? Ich bin sehr, sehr, sehr enttäuscht von dir!“

© Miriam Strasser 2022-03-15

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