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Jede*r kann tanzen, Teil 3

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Jede*r kann tanzen, Teil 3 | story.one

Da mischte der Vater sich ein: „Auch dein Hauslehrer sprach zu mir - stell dir vor, er kündigte hier! Will dir keinen Unterricht mehr geben, sagt so etwas wie dich musste er bisher noch nie erleben, dabei hat er schon unglaublich viele Schüler in seinem Leben gesehen. Aus jedem sei schlussendlich etwas geworden - doch bei dir hat er bloß Zweifel und Sorgen! Das muss an diesem lächerlichen Tanzunterricht liegen, in meiner Familie hat es bisher noch nie mathematisches Versagen gegeben! Du hast mit dieser Narretei unseren Sohn verdorben!“ „Was, ich? Ganz sicher nicht! Ballett macht Sinn, ist gut für den Körper und die Disziplin! Durch den vielen Hausunterricht wurde der Junge weich und dick! Sieh ihn dir doch an! Kein Wunder, dass er so nicht tanzen kann! Das ist alles deine Schuld, Mann!“

So begannen Eduard Edwins Eltern einen üblen Streit und vergaßen ihren Sohn dabei. Er blieb eine Weile schockiert und stumm stehen, konnte sich das Drama jedoch nicht lange ansehen. Die Worte waren hart und gemein!

Ihm kamen die Tränen, er wollte nicht mehr hier sein, beschloss fortzugehen. Ging durch die Türe und war verschwunden - seine Eltern bemerkten es nicht, so sehr waren sie im Streit versunken...

Eduard Edwin rannte so schnell er konnte, raus aus dem Dorf, hinein in den Wald, den Hügel hinauf wo er auf seiner Lieblingswiese beim Bach zusammenbrach. Seine Tränen strömten aus ihm heraus, kaum sah er was um ihn herum geschah. Nahm nur seine Trauer, nicht die Schönheit des Tages, wahr. Doch nach einer Weile versiegte der Tränen Fluss, seine Sinne öffneten sich wieder für den Genuss. Die Sonne strahlte, der Himmel war klar, der Bach murmelte und rauschte, die Blumen dufteten wunderbar.

Eduard Edwin lag still und lauschte:

Das Summen der Bienen schien ihn innerlich zu wiegen, das Zwitschern der Vögel schien ihn zu trösten, der Wind streichelte weich sein Fell. Langsam wurde sein Gemüt wieder hell. Die Schmetterlinge tanzten um ihn her - genau diesen Tanz liebte er so sehr! Wieso lag er hier still im Gras?

Eduard Edwin sprang auf und tat es ihnen nach: Schmückte sich mit bunten Blüten, begann seine Hüfte zu wiegen. Drehte sich wirbelnd im Kreis, fühlte sich wunderbar geschmeidig und leicht! Die Traurigkeit war ganz überwunden, er hatte seine Lebensfreude wieder gefunden. Die Zeit stand still, er wusste nicht, ob für Minuten oder Stunden, himmlische Musik tönte in ihm und er tanzte so frei und ungebunden wie noch nie!

Da begann die Situation sich um-zudrehen: auf der Wiese wurde es still, alles schien den Atem anzuhalten, um Eduard Edwin zuzusehen. Es war, als könnte die Natur seine innere Klangwelt wahrnehmen und lauschte verzückt seiner Musik. Nach und nach tanzte alles mit: der Bach, die Blumen, die Bienen, Schmetterlinge, sogar das Sonnenlicht! Die ganze Wiese verband sich mit Eduard Edwin in seinem Tanz.

Bis er glückselig ein Ende fand, und in die Stille hinein anerkennender Applaus erklang…

© Miriam Strasser 2022-03-15

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