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#kultur#festivals#art

Kulturprogramm

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Kulturprogramm | story.one

Der Stein war ins Rollen gekommen. Zusätzlich zu den Jamsessions begannen wir vermehrt Workshops zu organisieren. Alle brachten ihre Talente ein: Es gab Workshops in Fotografie, Tanz, Improvisationstheater, Body-Percussion, Jazz-Improvisation, Schlagwerk, Gesang … nicht nur wir, die das Haus organisierten und instand hielten, boten Workshops an. Auch andere Menschen kamen aus der Stadt zu uns, um das Haus mit ihrem Angebot zu beleben.

Wir drehten einige skurrile, kreative Kurzfilme und ich begann, kleine Festivals zu organisieren. Es gab jedes Mal ein Varieté Programm, mit Beiträgen aus verschiedenen kreativen Disziplinen. Gemeinsam mit einem Poeten aus unserer Gruppe moderierte ich diese Shows und trat oft auch selbst als Clown darin auf. Am Abend gab es Live-Musik von Bands und die restliche Nacht natürlich Jamsessions. Nach dem dritten Mini-Festival, das ich organisiert hatte, bekamen unsere wöchentlichen Freitagsessions eine neue Note: Es wurde vermehrt der Raum für eine „interdisziplinäre Stunde“ geöffnet. Dieses Angebot wurde gerne genutzt für Theatermonologe, Tanzperformances, Artistik … und belebte unsere Sessions.

Wir gründeten schließlich einen Verein, erstellten eine Homepage und entwickelten in langen Besprechungen ein Projektkonzept, um es der Stadt vorzulegen. Die Bezirkspolitik war begeistert von unserem Angebot und unterstützte uns in unserem Schaffen. Die La Experimental war ein anerkannter, kultureller Ort in Barcelona geworden. Das verdankten wir nicht zuletzt einem Kommunalpolitiker, der Physiker war und die Geschichte des Hauses kannte. Er war uns zugeneigt. Bevor die „Mentora Alsina“ zum Leerstand und schließlich zur „La Experimental“ wurde, war sie ein physikalisches Labor gewesen, errichtet von einem wohlhabenden Mann.

Er stellte das Gebäude dem physikalischen Institut als Lehrstätte zur Verfügung. Da er ohne lebende Verwandte starb, fiel das Haus in die Hände der Stadt, die kein Budget und keinen Plan dafür hatte. So wurde es erst toleriert, dass eine Gruppe Musiker:innen es zur Zwischennutzung auf unabsehbare Zeit belebten und als daraus ein Verein mit einem offenen Projekt wurde, nahm die Stadt dieses Angebot gerne an.

Es war eine sehr lehrreiche, aufregende und auch anstrengende Zeit. Ich hatte mehr und mehr Lust, mich weiter auszubilden. Mehr zu lernen, anstatt zu probieren. So lud ich immer wieder professionelle Clowns ein und organisierte Workshops für sie. Einer der Lehrer, die ich ins Haus holte, war Alex. Mein allererster Clownlehrer aus der „La Estupenda“ in Granada. Wir hatten uns viel zu erzählen. Er lebte nun in Madrid und unterrichtete in einer Körpertheaterschule Clownerie.

Alex erzählte mir von der Schule und lud mich ein, einmal vorbeizukommen. Ich dürfe dort eine Schnupperstunde bei ihm nehmen. Außerdem würden bald Freunde von mir aus Granada in Madrid auftreten, was sich gut verbinden ließe. Es wurde Zeit für einen Ausflug.

© Miriam Strasser 2021-07-15

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