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#improvisationskunst#workshop#clowns

La Experimental

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La Experimental | story.one

Eigentlich hieß das Gebäude: „La Mentora Alsina“, eine Villa die einst eine physikalische Hochschule gewesen war. Dieser wunderschöne, inspirierende, anstrengende, verrückte Ort. Einer der verrücktesten, an denen ich je gelebt habe. Bestimmt der anstrengendste, an dem ich je gelebt habe.

Was es für mich so anstrengend machte, waren die chaotischen „Mondphasen“ des Hauses. Diese folgten einer surrealen Logik und lockten, in unregelmäßigen Gezeiten kommend und gehend, Menschen an, um sie wieder fortzutreiben. Der häufige Wechsel an Menschen war anstrengend.

Zumeist lebten etwa 12 Personen dauerhaft dort, das „Kernteam“, welches mich eingeladen hatte, Teil zu werden. Alle waren Musiker:innen und spielten mehrere Instrumente. Es war ein Jazz-Kollektiv, welches mich musikalisch sozialisierte: auf Free -Jazz- Jamsessions lernte ich, im wahrsten Sinne des Wortes, Musik „zu spielen“.

Manchmal lebten für einige Monate 40 Menschen in dem Haus, da es sich auch um einen offenen Ort für Reisende handelte, die auch gerne länger blieben. Einmal gab es eine Woche, in der nur 6 Personen anwesend waren. Das war richtiggehend gruselig, so still war es plötzlich. Der Raum schien sich auszudehnen und die Geräusche zu verschlucken. In dieser Woche kam ich mir etwas verloren vor, in dem großen Anwesen.

Sie nannten das Haus „La Experimental“, denn es war ein kreatives Experiment. Die Menschen kamen, um sich auszuprobieren. Alles war ein ständiges Ausprobieren: das Zusammenleben, die Musik, der Tanz … regelmäßig fanden Jamsessions statt.

Ich hatte ja meine Jacke, meine Autoschlüssel (und meine Hose) dort vergessen, was mir guten Grund gab, der Einladung wiederzukommen zu folgen. Wie versprochen kam ich nach einem intensiven Ausbildungsmonat in „Cal Clown“ in die „La Experimental“ zurück. Das war Anlass für ein Wiedersehensfreudenfest: Wir musizierten, tanzten und sangen die ganze Nacht. Jeder Anlass für ein Fest wurde gefeiert, das war Credo des Hauses.

Dieser Ort war eine autodidakte Schule der Improvisation. Nicht nur für mich. Wir nannten sie lachend „la autoescuela del amor improvisado“.

Ich gab, wie vor meiner Abreise nach „Cal Clown“ versprochen, meinen ersten Clownsworkshop in der „La Experimental“. Ein Wochenende lang vermittelte ich die Essenz dessen, was ich in über einem Jahr Auseinandersetzung mit der Clownerie gelernt, gelebt, erfahren hatte. Es nahmen viele Menschen an dem Workshop Teil. Das Feedback überraschte mich. Die meisten sagten mir, man merke an meiner Art zu lehren, wie lange ich das bereits mache. Dabei war es der erste Workshop gewesen, den ich je gehalten hatte.

Ich wurde gefragt, ob ich nicht eine regelmäßige Gruppe, ein „Clown Training“, in der La Experimental halten wolle. Eigentlich dachte ich, dafür mangele es mir an Erfahrung, aber ich war bereit für dieses Experiment zu improvisieren. Also sagte ich zu. So begann eine besondere Ära in meinem Leben, mein Leben in der „La Experimental“.

© Miriam Strasser 2021-05-26

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