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Schulzeit in Madrid

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Schulzeit in Madrid | story.one

Zurück in Barcelona ließ ich erstmal all die Eindrücke aus Madrid auf mich wirken: Social Clowning, Flugtrapez, Körpertheaterschule. So viele interessante Impulse. Eigentlich wusste ich schon, welchem ich folgen wollte: am stärksten war die Lust, mich für den „Nouveau Colombier“ einzuschreiben, um Körpertheater zu studieren.

Die Gruppe der „La Experimental“ reagierte erst schockiert, als ich meinen Plan mitteilte. Sie wollten mich nicht verlieren. Doch die Gruppe war auch ohne mich groß genug, um das Projekt zu tragen und schließlich beruhigte sie mein Versprechen, immer wieder vorbeizukommen.

Bald darauf begannen meine Vorbereitungen, ich organisierte mir einen Sommerjob, um das Schulgeld für den „Colombier“ zu verdienen, bereitete die Unterlagen für die Einschreibung vor und fand einen Schlafplatz für die ersten Nächte in Madrid. Nach einem Sommer harter Arbeit kam ich mit meinem Ersparten in die Stadt. Bald ergab sich ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft in der Nähe der Schule. Mit Begeisterung startete ich den Unterricht. Was auf die Anfangseuphorie folgte, war eine Berg- und Talfahrt. Es gab Phasen, die mich maßlos überforderten und in denen ich litt. Dann gab es Phasen, in denen ich vor Kreativität überfloss und mich allem gewachsen fühlte. Es war eine intensive Auseinandersetzung mit meinem tiefsten, emotionalen Kern.

Eine Art Katharsis.

Von all den Fächer, die wir im Colombier hatten, gefiel mir „Suzuki“ am besten, obwohl es am anstrengendsten war und die meiste Disziplin forderte. Eine Trainingstechnik zur Präsenzsteigerung. Danach erkannte ich mich jedesmal selbst kaum im Spiegel wieder. Meine Augen strahlten eine beängstigende Kraft aus. Beängstigend war auch das „Alma Negra“ Festival für Butoh-Tanz, ein Insider-Tipp. Die Performances fesselten mich mit ihrer kraftvollen Düsternis und ich konnte nicht widerstehen, selbst an einem Workshop teilzunehmen. Was ich dabei erlebte, sprengte meinen bisherigen Horizont. Es erinnerte mich an Clownerie, dieser innere Zustand der Leere. Pure Emotion in Bewegung. Körpertheater war im Gegensatz dazu total verkopft. Butoh war getanzte Katharsis pur.

Das reizte mich. So formierte ich mich begleitend zum Colombier auch am „Espacio en Blanco“, wo das „Alma Negra“ Festival stattgefunden hatte, in Butoh-Tanz. Immer wieder kehrte ich in die Experimental zurück, um kleine Festivals zu veranstalten. Für eine Story Open Stage in Madrid, mit der Vorgabe: schreibe eine wahre Geschichte zum Thema “Beinahe…”, reflektierte ich darüber, wie mein Wunsch in Südamerika Ayahuasca zu nehmen, um herauszufinden was ich eigentlich will, mich auf Umwegen zu Clownerie, Körpertheater und Butoh-Tanz geführt hatte.

“Beinahe bin ich in Südamerika”, war der Titel. Das Fazit lautete: „Seht ihr, wie stark Ayahuasca wirkt? Es erleuchtet dich bis ins Ausland, du musst nicht mal zu ihm kommen und erfährst trotzdem, was du wirklich willst und in deinem Leben brauchst!“

© Miriam Strasser 2021-08-05

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