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Seelenfresser

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Seelenfresser | story.one

Auf meinen Schultern sitzt ein Schatten, er packt mich am Nacken - will etwas mit meinem Körper machen… Er dringt in mich ein, brennt in mir - wie Feuer so heiß, brennt in mir - kalt wie Eis.

Sein Ursprung liegt im Untergrund der Zeit, ist Teil der Menschheitsgeschichte, zieht sich durch die Vergangenheit…

Seine Klauen werden manchmal unendlich groß, sie packen und komprimieren mich, ich werde gepresst, wie durch ein Nadelloch gesteckt. Zitternd erhebe ich mich, der Schatten fließt aus meinem Blick, bildet dunkle Blasen - es kostet Kraft, ihren Anblick zu ertragen…

Sichtbare Erinnerung verdeutlicht sich, in dunkel düsterem Schrecken, zu einem monströsen Gespenst mit dämonischem Gesicht und stechend kalt heißem Blick. Bist du bereit, das zu sehen?

Willst du es wagen, muss ich dich warnen: die Blasen werden sich verwandeln, dich davon tragen, deine Realität entarten - bist du bereit, das zu sehen?

Wie die gefrorene Hölle im Himmel in Flammen aufgeht? Wie ein uralter Dämon vor diesem Hintergrund unschuldige Seelen verschlingt? Wie sein scheußliches Echo eine Saite in dir zum Klingen bringt?

Du weißt es und begreifst es nicht. Du fühlst es und bist leer. Du verstehst es und bist verwirrt. Du wünschst es und fürchtest es. Du liebst es und kannst es nicht verhindern. Du hoffst es und glaubst es nicht.

Es ist deine Notwendigkeit, es ist dein Tod, es ist deine Erlösung. Es ist dein Weg, ohne Boden, ohne Luft, ohne Raum. Es ist deine Zeit, ohne Anfang, ohne Ende, ohne Veränderung.

Du hörst es in der Stille, du schreist es ohne Stimme, du beschreitest es ohne Schritte.

Der Schatten kam des Nachts an dein Bett und flüsterte dir mit dämonischer Stimme raue, unheilvoll schwere Wörter ins Ohr.

Boshaft verspielt hallte ihr Echo in deinem Kopf und raubte dir deine Kraft, sie ließen dich das Fegefeuer erblicken.

Eine ewige Verdammnis ohne Entrinnen.

Und doch bist du noch am Leben.

© Miriam Strasser 2022-06-24

Der eigene Rucksack

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